Von Xela zum Atitlan See: Drei Tage wandern durchs Land der Maya

hBin zurück in Guatemala, in Xela und es fühlt sich großartig an! Ich liebe Guatemala! Habe einen Flug von Panama City nach Guatemala City genommen und eine Nacht in Antigua verbracht. Frei nach den Beatles war es ungefähr so (stimmt nicht ganz mit den Frauen hier. Und der Flug war auch nicht so schlimm. Political incorrectness lasse ich bei dem Clip übrigens auch nicht gelten):

Von Antigua ist es nicht mehr weit nach Quetzaltenango, bzw. Xela, wie es die Einheimischen nennen. Sollte man zumindest glauben. Die Zeitangaben variieren zwischen 3 und 7 Stunden. Die Strecke sieht so aus und windet sich über die Panamericana durchs Hochland Guatemalas.


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Ich hatte dieselbe Strecke bereits einmal in umgekehrter Richtung gemacht. Damals bin ich in Xela in einen Bus nach Guatemala City gestiegen, in Chimaltenango abgesprungen, und wartete an der Kreuzung auf einen Bus nach Antigua. Also recht simpel. Diesmal war es anders. Anstelle von zwei Bussen habe ich vier benötigt. Der erste brachte mich vom Busbahnhof in Antigua an die Stadtgrenze, obwohl er mit Chimaltenango angeschrieben war. Dort stieg ich in einen wartenden zweiten Bus um. Glaube, beide Busse waren nur halb voll und haben sich deshalb zusammen getan. In Chimaltenango wartete ich an der Straße bis ein Bus heranbrauste. Der Helfer in der offenen Tür brüllte mir was zu, ich brüllte zurück „Xela?“, er sprang ab, bejahte Xela, nahm meinen Rucksack und kletterte mit ihm aufs Dach. Ich beobachtete ihn kurz (man muss schon ein wenig auf sein Zeug aufpassen), rannte währenddessen neben dem Bus her und sprang dann in die offene Tür. Drinnen erklärte mir man dann nach einer Weile, dass der Bus nicht nach Xela, sondern nach Quiche fahren würde. Man würde mich aber an der passenden Kreuzung rauswerfen.

Da mein Spanisch und Maya nicht zum diskutieren reicht (es wird aber besser, seit ich alleine unterwegs bin), habe ich es einfach mal akzeptiert. Hatte ja auch nicht so die große Wahl, weil wir bereits auf der Interamericana waren. Irgendwann wurde ich dann tatsächlich aus dem fahrenden Bus geworfen und der Helfer reichte mir vom Dach meinen Rucksack. Der Bus nach Xela wartete tatsächlich grade an der Kreuzung, so dass ich dort aufspringen konnte. Es klappt also eh. Man muss nur ein wenig Vertrauen haben…

Von Xela zum Atitlan See

In Xela bin ich dann direkt zu den Quetzaltrekkers gelaufen. Kenne mich in Xela ja schon ein wenig aus. Dort wurde ich zu meinem erstaunen mit Namen und offenen Armen empfangen. Man erinnerte sich offenbar an mich. So was ist dann wirklich schön! Mein letzter Aufenthalt ist immerhin 2 Monate her.

Nach einem kurzen Orga-Treffen am Abend zuvor, ging es am nächsten Morgen zu Fuß zur Bushaltestelle und von dort mit dem Chicken Bus nach Chantel am Fuße der Berge. Von dort wollten wir in 3 Tagen über die Berge zum Atitlan See laufen. Natürlich nicht die Route auf der Karte, sondern über die Berge und Felder und eher direkt.
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Der Weg wand sich langsam in den Nebelwald hoch. Unterwegs machten wir ab und an Rast, damit sich jeder eingewöhnen konnte und um die Einheimischen mit ihren Brennholzlasten passieren zu lassen. Entwaldung für Brennholz und Felder ist ein massives Problem hier in Guatemala. Aber den Maya bleibt oft keine Wahl, da es keine Alternativen gibt. Und in Xela wird es schon mal kalt.

Danach ging es für 2 Stunden immer zügig bergauf. Ganz vorne läuft ein Guide, in der Mitte und ganz hinten. Somit ist gewährleistet, dass man sich nicht verläuft und den verschiedenen Wandergeschwindigkeiten wird Rechnung getragen.

Der Nebelwald ist wunderbar. Man kann es sich in etwa wie unser Mischwald, nur viel nasser, grüner und dichter vorstellen. Mit Moosen, Flechten und Pflanzen, die auf Bäumen wachsen.

Unterwegs hatte man Ausblicke auf Xela und den Tajamulco (ist aber auf dem Bild nicht erkennbar. Zu weit weg und in den Wolken).

Nach einer Weile erreichten wir eine offene Grasfläche, die von den Guides aus Tradition Alaska genannt wird. Keiner weiß warum. Hat mal jemand so benannt.

Von dort konnte man ein Dorf mit seinen Feldern sehen. Die Maya bauen hier auf fast 3000 Meter über dem Meeresspiegel Mais, Bohnen, Brokkoli, Kanola und anderes Gemüsesorten an. Einer der Maya auf dem Weg fragte mich wohin wir gehen würden. Dann sagte er entweder, dass ich mich bestimmt auf einen Schnaps freuen würde, oder dass ich betrunken sei, weil ich freiwillig so weit laufen würde. (Wieder meine mangelhaften Spanischkenntnisse) Nette Leute hier! Von den Dörfern und Menschen habe ich übrigens keine Bilder gemacht, weil die Maya das nicht mögen und ich sonst immer hätte fragen müssen.

Während die Leute hier alle sehr nett sind und die Kinder einem zu winken, sind es die Dorfhunde nicht. Die sind eher Wachhund und getreu dem Motto „Den letzten beißen die Hunde“ wurde der Guide am Ende der Gruppe dann auch von einem Hund gebissen. War nicht schlimm. Und da die alle hart im Nehmen sind, wollte sie auch nicht wegen Tollwut zurück nach Xela ins Krankenhaus. Also einfach weiterlaufen und wieder in den Nebelwald.

Von nun an ging es beständig durch den Wald bis zu einem finalen Anstieg zum Dorf, wo wir die erste Nacht verbringen wollten.

Geschlafen und gekocht wurde im Dorfsaal. Der ganze Ort war in Wolken gehüllt, so dass es keinen Sinn machte, Bilder zu machen. Aber abends durften wir dann noch eine Maya Sauna genießen. Das läuft ähnlich ab, wie jede Sauna. Man gießt heißes Wasser über heiße Steine und genießt den Dampf. Einzig die Sauna selbst ist anders: Sie gleicht in Form und Größe eher einer Hundehütte, so dass man hineinkriechen und sich zuammenkauern muss. Macht es dann für jemanden mit 1,80 Meter auch nicht einfach, sich Wasser über den Kopf zu gießen, war aber ungemein entspannend.

Als Ausgleich war dann die Nacht kurz und der Boden hart.

Durch die Dörfer der Maya

Dank des konstanten Hupens der Busse und PickUps wachte ich schon gegen 4 Uhr morgens auf. Danach war bis 6 Uhr nur noch sporadischer Schlaf möglich. Aber die Sonne ging eh bald auf und wir mussten früh los.

Nach einem kurzen Frühstück, bestehend meinem „Lieblingsessen“ Reis, Bohnen und Eiern, beäugt durch das örtliche Hunderudel, ging es bald los. Wir wanderten durch eine grandiose Berglandschaft mir steilen Abstürzen und vereinzelten Maisfeldern. Kolibris schwirren durch die zunehmend dünne Luft, denn wir wanderten beständig in Richtung 3000 Meter Höhe.

Schließlich erreichten wir ein Hochplateau, von welchem man auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht die Panamericana sehen konnte. Den Ort, den man auf dem Bild am Horizont sehen kann hat den klangvollen Namen „148“, weil er Kilometer 148 auf der Panamericana markiert. Von dort zweigt auch die Straße zum Atitlan See ab.

Von nun an ging es durch die Dörfer und Maisfelder beständig steil bergauf und bergab. Es ist wirklich bemerkenswert, in welcher Höhe und welch steilen Hängen Mais angebaut wird. Mais ist nicht nur das Grundnahrungsmittel der Maya, sondern dient auch den Bohnen als Halt. Die ranken sich am Mais gen Himmel und kommen auch ins Essen. Mais erfüllt also viele Zwecke. Er ist sogar so wichtig, dass er für die Maya eine Gottheit darstellt. Außerdem wurde Mais in dieser Gegend der Welt das erste Mal kultiviert und eroberte von hier die Felder der Welt. Viehbestand gibt es nur wenig. Denn jeder Quadratmeter wird für den Ackerbau verwendet. Nur für vereinzelte Kühe ist Platz. Und natürlich für Hühner und manchmal ein paar Schweine. Dementsprechend ist auch die Ernährung geprägt.

Eben deswegen Bergstiefel!

Nach dem Mittagessen ging es durch den Nebelwald steil bergab. Wir wussten, dass wir mehrmals einen Fluss durchqueren mussten. Dementsprechend hatten die Quetzeltrekkers dazu geraten Sportschuhe oder geschlossene Sandalen mitzubringen. Wenn nötig kann man diese, ebenso wie Trekkingschuhe, bei ihnen kostenlos leihen. Da es sich aber um eine non-profit-Organisation handelt, ist die Auswahl an guten Schuhen leider nicht so groß. Geschweige denn an Bergstiefeln. Gott sei Dank habe ich meine eigenen dabei. Die sind zwar ganz schön schwer im Rucksack aber haben sich bisher gelohnt.

Während also alle anderen ihren Sandalen anzogen um die Flüsse zu durchqueren, habe ich meine Bergstiefel anbehalten. Wollte nicht zusätzliches Gewicht in Form von Sandalen oder Sportschuhen tragen. Das hat zwar zu ungläubigen Staunen verleitet, weil ich dann ja nasse Füße hätte, aber so schlimm ist das nun auch nicht. In Neuseeland hatte ich für 4 Tage das Wasser in den Stiefeln stehen. Ist nicht weiter schlimm, solange man abends für trockene Füße sorgt.

Zwischen den Flussdurchquerungen wanderte dann natürlich jeder mit Sandalen über Stock und Stein. Das resultierte darin, dass sich die Engländerin vor mir den Fuß verstauchte. Sah ziemlich ekelhaft aus, weil ich just in dem Augenblick auf ihre Füße schaute und ich meine es auch schnalzen gehört zu haben. An der Stelle muss ich einfach sagen, dass es schon seinen Sinn hat, warum man knöchelhohe, stabile Stiefel trägt. Nasse Füße, Modebewusstsein, o.ä. hin oder her, aber wenigstens ist das Risiko einer Verletzung deutlich geringer. Es schließt eine Verletzung natürlich nicht aus, aber es ist schlichtweg sicherer. Das ist etwas, was ich generell nicht verstehe. Ohne vernünftige Schuhe gehört man einfach nicht in die Berge. Man bringt nur sich selbst in Gefahr (und gefährdet seine ganze Reise) und schafft nebenbei auch noch ein Problem für die Anderen.

Immerhin war der Fuß nicht wirklich schlimm verstaucht, so dass die Arme bald wieder weiterhumpeln konnte und wir trugen ihr Gepäck. Blöd, wenn man in dieser abgelegenen Gegend nicht mehr laufen kann.

Nachdem wir einen Feldweg erreicht hatten, blieb sie mit einem Guide zurück und wurde später mit einem Pickup abgeholt und in unsere Herberge gebracht.

Die zweite Nacht verbrachten wir im Haus von Don Pedro. Dort bekamen wir ein leckeres Huhn mit Reis und Bohnen. Außerdem brannte ein warmes Feuer und seine Nichten und Neffen führten für uns ein paar lokale Tänze und Kindergesänge auf. Künstlisch sicher nicht die Spitze, aber das Chaos der herumwuselnden Kleinkinder auf der Bühne war ein großartiges Spektakel und selbst für die Guides immer wieder ein Erlebnis.

Dritter Tag: Sonnenaufgang über dem Atitlan See

Nach einer weiteren kurzen Nacht standen wir um 3 Uhr im Dunklen auf und marschierten durch die Dörfer oberhalb des Atitlan Sees zum Kraterrand. Die verletzte Engländerin ging mit einem Guide ein wenig früher los, so dass wir zur selben Zeit dort ankamen. Die Aussicht war selbst im Dunklen spektakulär, denn man sah die Dörfer entlang des Ufers und am Horizont waren die Vulkane rund um Antigua sichtbar. Einer davon, Fuego, brach just in diesem Augenblick aus, so dass man in der Ferne die glühende Lava aus dem Vulkan schießen sehen konnte. Leider war das zu weit weg und zu dunkel für ein Bild. Aber ein absolutes Highlight auf der bisherigen Reise.

Dann ging die Sonne auf und tauchte den See in ein unwirkliches Licht. Hier wurde mir klar, warum der See so oft als Naturwunder gepriesen wird. Aldous Huxley schrieb über ihn: „Lake Como, it seems to me, touches on the limit of permissibly picturesque, but Atitlán is Como with additional embellishments of several immense volcanoes. It really is too much of a good thing.“ Aber nicht nur Huxley fand ihn super, sondern auch Antoine de Saint-Exupéry ließ sich angeblich vom See und den Vulkanen herum inspirieren. Man sagt, dass einer der Vulkane das Vorbild für die Schlange im kleinen Pinzen sei, die den Elefanten verschluckte.

Abstieg nach San Juan und zurück nach Xela

Nach einem stärkenden Frühstück am Kraterrand begann der lange Abstieg nach San Juan und zum Seeufer. Dort sollte ein PickUp auf uns warten und uns in den Nachbarort San Pedro la Laguna bringen. Dort war ich bei meinem ersten Aufenthalt in Guatemala für ein paar Tage stecken geblieben und ich freute mich schon den Ort erneut zu sehen.

Während des Abstieg ging es nochmals durch ein extrem steiles Maisfeld, das ich wegen des glitschigen Bodens das Maisfeld des Todes genannt habe. Aber ich bin heil durchgekommen und konnte den Abstieg fortsetzen.

In San Pedro angekommen gab es erstmal ein großes Mittagessen, bevor der Pick Up aus Xela eintraf. Er brachte das übrige Gepäck, damit die meisten Wanderer in San Pedro bleiben konnten. Nur die Guides, der Israeli und ich wollten wieder zurück. Da wir nur zu sechst waren, quetschten sich zwei der Guides auf den Beifahrersitz und wir vier uns zwischen die ganze Ausrüstung auf der Ladefläche.

Die Fahrt unter der Plane auf der Panmericana zurück nach Xela war ein echtes Erlebnis! Aneinandergelehnt und in unsere Schlafsäcke gemurmelt schliefen und dösten wir, oder schauten nach hinten auf die bergige, davon ziehende Straße. Chicken Busse, LKWs und Motorräder brausten lautstark an uns vorbei, während sich Sonne und Regen abwechselten. Irgendwie fühlen sich Fahrten auf PickUp-Ladeflächen für mich immer wie die ultimative Freiheit an. Nichts vermittelt mir das Gefühl unterwegs zu sein so gut wie der Ritt auf einem PickUp!

In Xela sprang der Israeli dann vom PickUp, während ich noch bis zu den Quetzaltrekkers mitfuhr und beim Ausräumen half. Von dort ging ich erst mal in mein Hostel in Xela um mich ordentlich auszuschlafen, denn in vier Tagen will ich für weitere 7 Tage in die Berge. Und dafür will ich fit sein!

Abschließend muss ich sagen, dass die Wanderung durch die Berge und Dörfer der Maya mir einen gänzlich neuen Eindruck von Guatemala vermittelt haben! Vorher hatte ich das Land nur aus dem Bus gesehen und die Städte bewundert. Aber die wahre Seele des Landes liegt zwischen den Wäldern, Maisfeldern und Dörfern versteckt! Jeder der nach Guatemala kommt, sollte ich überlegen eine Wanderung zu unternehmen! Es ist definitiv sein Geld wert!

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