Von der Karibik zum Pazifik oder: Von Honduras nach Nicaragua

Die gute Nachricht: Habe es heil durch Honduras geschafft! Sogar durch Tegucigalpa. Trotz „Feindpropaganda“ durch die Sendung über die Mordrate im Auslandsjournal des ZDFs (habe mir die Sendung nicht angeschaut. Bin grade schlicht polemisch und parteiisch). Eine schlechte Nachricht gibt es nicht.

Aber der Reihe nach und dann sage ich auch ein paar Worte darüber, wie ich das geschmähte und gefährliche Honduras wahrgenommen habe.

Die Route durch Honduras war diese hier. Dann habt ihr einen besseren Einblick über die Reise in den letzten vier Tagen. Leider kann Google Maps die Route nicht richtig darstellen. Muss an der Grenze zwischen den beiden Ländern liegen. Das war mit Abstand die schäbigste Grenzstation, die ich bisher gesehen habe.


Größere Kartenansicht

Utila und Roaten in Honduras

Über Utila habe ich ja bereits in meinem vorherigen Post geschrieben. Viel mehr als „tauchen“ kann man da auch nicht mehr hinzufügen. Deshalb haben John und ich uns ein wenig umgehört, wie man am schlauesten von Utila nach Roatan, der großen Nachbarinsel kommt. Die Situation ist nämlich, gelinde gesagt, sau blöd. Obwohl die beiden Inseln nebeneinander liegen, gibt es offiziell keine Fähre. Das heißt, man muss morgens die Fähre nach La Ceiba nehmen und zahlen, und nachmittags die Fähre nach Roatan. Somit macht der hondurianische Fährverband zwar schön Geld, aber man verbummelt leider auch einen Tag, fährt ein schönes Dreieck und es kostet unverhältnismäßig viel Geld.

Alternativ kann man auch fliegen. Das kostet aber gleich mal 150 USD. Somit mal komplett außer Reichweite. Die Alternative haben wir dann in Arturo, einem Einheimischen, gefunden. Er wollte 200 USD für den Trip nach Roatan und da wir zusammen mit Lizzie, John und Gilbie schon zu fünft waren, sank der Preis pro Person natürlich deutlich. Und es war viel schneller und spannender.

Vielleicht ist es auch nicht jedermanns Sache in einer Nussschale über den Ozean zu schippern, noch dazu in Honduras, und das Ziel nicht sehen zu können, aber das Wetter sah gut aus und ich kann gut schwimmen…

Roatan, paradisischer geht es fast schon nicht mehr

Wir landeten nach über einer Stunde Bootsfahrt in Westbay. Ich lasse einfach die Bilder sprechen:

Übernachtet haben wir für 6 Nächte im Hostel Buena Onda. Da wir eine super Küche hatten, konnten wir kochen und somit die Kosten ein wenig drücken. Roatan ist leider nicht ganz billig, weil es Direktflüge aus den USA gibt. Zu viele Leute wollen tauchen, was laut Sandra aber verständlich sei, weil es schlicht paradisisch sei. Ich selbst war schnorcheln, aber tauchen scheint dann doch noch besser zu sein.

Quer durch Honduras

Die nächste Aufgabe war, es heil nach Nicaragua zu schaffen. Da die Hauptstadt von Honduras, Tegucigalpa, einen eher schäbigen Ruf hat und es weniger Sehenswürdigkeiten entlang der Hauptverkehrsader gab, beschlossen wir, einen Tag bis Tegucigalpa zu reisen und am nächsten Tag direkt nach Leon in Nicaragua weiterzufahren.

12 Stunden, 3 Taxifahrten, eine Fähre und eine Busfahrt später waren wir dann auch schon dort. Es wurde grade dunkel und Sandra und ich hatten gerade noch Zeit eine Runde durch die dämmrige Fussgängerzone zu schlendern. Viel zu sehen gab es nicht und so wurden eher wir zu Besichtigungsobjekten. Irgendwie schauen einen alle an und man hat das lustige Gefühl, dass man entweder als Beute oder mit Mitleid angesehen wird. Definitiv kein Ort um im Dunklen einen Spaziergang zu machen.

Später trafen wir vor dem Hotel drei Polizisten, die stolz erklärten, dass diese Straße und der Platz nebenan sicher seien, weil sie hier die ganze Nacht Wache halten würden. „Nettes Örtchen!“ denkt man sich da.

Gewalt ist in Honduras tatsächlich ein Problem, auch wenn wir persönlich keine Erfahrung damit machen mussten. Meist bekriegen sich die Maras, die Jugendbanden untereinander. Aber aufgrund der Gewalt gibt es unzählige private Sicherheitsdienste. Somit stehen an jeden Laden und jedem Hostel ein düster aussehender Mann mit Schrotflinte oder zumindest Pistole im Gürtel und vermittelt ein zweifelhaftes Gefühl von Sicherheit.

Ein Schweizer, den wir auf Utila getroffen haben, hatte das große Glück sich auf der Reise nach Tegucigalpa eine Bauchspeicheldrüsenentzündung zuzuziehen. Deshalb musste er in El Progresso ins Krankenhaus. Dort hat er dann jeden Abend erleben dürfen, dass An- und Erschossene am Fließband eingeliefert werden. Passiert ist den Dreien aber auch nichts weiter. Man hört zwar immer von Überfällen, bei denen Reisende mit vorgehaltener Pistole auf offener Straße überfallen werden, aber nur zweimal habe ich wirklich jemanden getroffen, dem das tatsächlich passierte. Die restlichen Geschichten kursieren wie Wiedergänger durch die Gemeinschaft von Rucksackreisenden.

Mein Fazit: Kann echt beschissen laufen, aber wenn man ein paar Sicherheitsregeln beachtet, sollte man es schon heil durch Mittelamerika schaffen.

Leon in Nicaragua

Tags drauf erreichten wir die Grenze nach Nicaragua. Ewiges Warten auf die Zollkontrolle und die Pässe, aber ich bin ja dank Saudi Kummer gewöhnt. Man schwitzt halt vor sich hin und beobachtet eine Horde Kinder, die sich wie Wölfe um eine Pinata prügeln.

Nicaragua war dann, trotz seines zweifelhaften Rufs bei uns, eine echte Wohltat. Kaum Bewaffnete auf den Straßen, sichere Straßen in Leon und darüber herrscht eindrucksvoll eine Kette von aktiven Vulkanen, von denen einer letzten Samstag auch ausgebrochen ist.

Wir haben in Leon vorerst nur einen kurzen Stop eingelegt, weil ich weiter nach Süden, an die Küste, wollte. Dort wartete eine Freundin aus den USA auf mich. Wir hatten uns während unseres Auslandssemesters in Italien kennen gelernt und zwischendrin immer mal wieder irgendwo getroffen. Und wenn man dann schon in derselben Gegend ist…

Magnific Rock über dem herrlichen Popoyo Beach

Natasha hatte das Hostel in höchsten Tönen gelobt und nach einem Tag mit verschiedenen lokalen Bussen kamen wir kurz vor Sonnenuntergang auch auf dem Felsen an.

Magnific Rock liegt auf einer Felsnase direkt über zwei Stränden, so dass man einen wahnsinnigen Blick auf die herein rollenden Brecher, den scheinbar endlosen Pazifik und rote Sonnenuntergänge hat.

Die Surfer surfen in den Wellen unten am Popoyo Beach, andere beobachten durch Ferngläser die Wellen und wir liegen in Hängematten und genießen das Leben. Natasha hat, weil sie hier halb arbeitet, für ein kleines Apartment gesorgt, so dass wir auch auf dem Balkon sitzen und die Wellen beobachten können. Viel besser geht es nicht, glaube ich.

War gestern mit Natasha surfen. Mit mäßigem Erfolg. Da es hier keine Longboards gibt, muss ich mich mit den kurzen Boards begnügen und das ist deutlich schwieriger. Wünschte, neben den Alpen hätten wir auch einen ordentlichen Strand mit Wellen. Aber alles kann man wohl nicht haben. Immerhin schlucke ich deutlich weniger Wasser als bei den letzen Versuchen in Kalifornien und werde auch nur seltener auf den Strand gehämmert. Ein Fortschritt also.

Go north!

Magnific Rock wird wohl der südlichste Punkt meiner Reise werden. Von hier werde ich mich langsam wieder nach Guatemala vorarbeiten. Dort will ich noch mal ins Hochland. Danach versuche ich Freunde in Mexiko zu treffen und im Anschluss noch eine Freundin in den USA. So war zumindest der Plan.

Vielleicht kaufen Natasha und ich aber auch einen 4×4 Toyota, der hier rumsteht und fahren damit zurück in die Staaten. Mal sehen, ob das was wird. Ich muss mir das Auto gleich mal ansehen, wenn der Besitzer aufgestanden ist…

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