Von Tikal Guatemala nach Utila vor Honduras

Nachdem ich während der letzten Wochen in Guatemala die wichtigste Regel eines jeden Bloggers gebeugt, oder eher konstant gebrochen haben, nämlich regelmäßig in seinem Blog zu schreiben, will ich versuchen eine Zusammenfassung zu schreiben.

Seit ein paar Tagen bin ich auf Utila, einer netten Karibikinsel vor der Nordküste von Honduras. Die ganze Inselgruppe, glaube es sind neben Utila noch zwei weitere größere Inseln, wird auch „the Bay Islands“ genannt und sie sind ein Mekka für Taucher. Nur dumm, dass ich nicht tauche. Aber die Zeit lässt sich auch so ganz gut rum kriegen, indem man bspw. die vielen Sandflies und Moskitos abwehrt, die bereits erhaltenen Stiche zählt (werden konstant mehr und nein: Insektenspray hilft nicht wirklich), man den besten Kaffee seit Wochen trinkt oder einfach schwimmen geht. Ich bevorzuge die beiden letzteren Unterhaltungsoptionen. Normalerweise beschäftige ich mich aber mit den ersten beiden.


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Utila bietet sogar ein wenig Geschichte, weil hier früher französische, holländische und britische Piraten lebten und den Spaniern das Leben schwer machten. Heute wird die Insel hauptsächlich von Backpackern, Tauchern, backpackenden Tauchern und eben Moskitos bewohnt. Eine wunderbare Mischung an Persönlichkeiten. Sonst gibt es nur wenig zu tun, weil die Insel hauptsächlich aus Mangroven besteht und oftmals überschwemmt wird, was sie wiederum für Moskitos sehr interessant macht.

Die letzten Wochen in Guatemala

Die Route der letzten Wochen durch Guatemala und Honduras sah ungefähr so wie auf der Karte verzeichnet. Ganz genau kann ich es nicht wiedergeben, weil ich in Guatemala Chicken Bus gefahren bin und wahrscheinlich nicht mal der Fahrer weiß, wo genau er grade ist. Chicken Busses sind ähnlich wie ein Dolmusch in der Türkei. Man kann jederzeit ein- und aussteigen und muss das nur dem Fahrer zurufen, dass man raus will. Außerdem ist es extrem günstig. Das führt dazu, dass die Busse voll sind. Also nicht voll wie im Berufsverkehr, sondern so voll, dass man weder umfallen, sich kratzen oder ein Buch lesen kann. Ein wenig wie zur Wiesn zwischen Marienplatz und Theresienwiese. Wenn man raus will, muss man das früh genug sagen, denn man braucht ne Menge Zeit, um sich aus dem Bus zu befreien und sein Gepäck vom Dach gepflückt hat. Erschwert wurde alles für mich durch den Fakt, dass mein Spanisch rudimentär ist und meine Kenntnisse in Maya-Dialekten gen Null tendieren. Aber irgendwie ging es dann doch und es war immer spannend, farbenfroh und unterhaltsam zu dritt auf einer Bank für zwei zu sitzen.


Größere Kartenansicht

Lanquin und Semuc Champey

Zurück zur Tour: Nachdem wir Tikal verlassen hatten, sind mir mehr oder minder direkt nach Lanquin weitergefahren. Unterwegs war nur ein spannendes Ding und das war eine Fähre über irgendeinen Fluss. Man plante für diese wichtige Ost-West-Verbindung vom Hochland Guatemalas nach Belize eine Brücke zu bauen. Die Einheimischen beschlossen hingegen, dass eine Fähre mehr Arbeitsplätze bietet und deswegen vorzuziehen sei.

Wir hatten gehört, dass es in Lanquin, das ist mal wirklich jwd, ein wunderbares Hostel und einen tollen Nationalpark gäbe, die wir besuchen sollten. Das Hostel liegt auf einem Bergrücken über einem Fluss und man hat auf drei Seiten eine freie Sicht auf die umliegenden steilen, grünen und bewaldeten Berge. Wirklich wunderschön! Habe viel Zeit damit verbracht, in der Hängematte zu liegen, zu lesen und die Berge anzusehen. Alternativ kann man auch in einem Gummireifen, ausgerüstet mit ein paar Bier, den Fluss runtertreiben. Das ist wiederum der Hängematte vorzuziehen.

Einen Tag sind wir morgen, auf einem Pick-up stehend, eine Stunde über die schlechteste „Straße“ meines Lebens nach Semuc Champey gerumpelt. Dort angekommen ging es mit Kerzen und Badehose bewaffnet in eine ziemlich dunkle Höhle. Vorweg: In Deutschland wäre das was da drinnen passierte auf keinen Fall erlaubt gewesen. Im Halbdunkeln schwimmt man die Höhle hoch (aufpassen, dass die Kerze nicht erlischt), schneidet sich an den spitzen Felsen unter Wasser die Füße auf, klettert an einem Seil einen Wasserfall hoch, springt in kleine Pools und rutscht in dunkle Wasserlöcher, die man von oben nicht einsehen kann. Mädels verlieren gerne ihre Bikinis dabei und die Guides freuen sich ihres Lebens und Jobs. Währenddessen hallte von den Wänden das Geschrei der  US-college-girls wieder. Etwas Ernsthafteres als ein paar Schnitte und Kratzer sind aber nicht passiert. Zumindest nicht in unserer Gruppe.

Im Anschluss ging es weiter auf die große Brücke über den Fluss. Von dort aus kann man rund 10 Meter Höhe in die brauchen Fluten des Flusses springen. Erfordert ein wenig Überwindung, weil der Guide nur sagt: „Jump right, rocks underwater on your left!“ Sobald man wieder auftaucht (vorausgesetzt man ist nach rechts gesprungen), muss man schauen, dass man aus dem rasch fließenden Fluss kommt, damit man nicht in die Stromschnellen weiter unten abgetrieben wird.

Zum Abschluss wanderten wir über einen Aussichtspunkt zu kristallblauen Pools. Man kann ausgiebig in den Pools planschen. Die Kaskaden erinnerten mich stark an den Schatz im Silbersee, bzw. an die Plitwitzer Seen in Kroatien. Winnetou kam aber nicht ums Eck.

Antigua, ehemalige Kolonialhauptstadt und Weltkulturerbe

Nach einigen Tagen Lanquin haben wir uns den 8-Stunden-Shuttle-Höllen-Ritt nach Antigua, der ehemaligen Hauptstadt des spanischen Kolonialreiches in Guatemala, gegönnt. Leider hatten wir weniger Fußraum als in einem Touristenbomber nach Malle, so dass die Fahrt eher in die Kategorie „mühsam und unschön“ fällt.

Antigua ist ein großartiges Weltkulturerbe. Eingebettet zwischen drei teilweise aktiven Vulkanen liegt die alte Stadt (alt im Vergleich zu anderen Stätten in Amerika) malerisch auf 1500 Meter in einem grünen Tal. Wir haben die Stadt, ihre Kirchen, Ruinen und Klöster erforscht, eine Fahrradtour durch die grüne Umgebung gemacht und fantastisch gut gegessen. Definitiv eine großartige kleine Stadt, die meinen Durst nach Geschichte gestillt hat (von Maya-Ruinen habe ich nur begrenzt Ahnung, so dass die nicht wirklich zählen).

San Pedro la Laguna am Atitlansee

Von Antigua aus fuhr ich alleine in einem weiteren Shuttle, dieses Mal war der Fußraum ok, aber die Mitreisenden nervten, nach San Pedro la Laguna am Atitlansee. Dieser Kratersee mit den umliegenden Dörfern liegt, ebenso wie Antigua, bereits auf 1500 Meter und ist von hohen Felswänden und Vulkanen umringt. Die Berge um den See sind so steil, dass die Dörfer kaum zwischen Seeufer und Berghänge passen.

In San Pedro habe ich durch Glück eine Horde Langzeitreisender in einem leicht schäbigen Hostel gefunden. Eindeutig ein Unterschied zu den ganzen Hostels mit Reisegruppen voller junger Amis, Briten oder Australiern. Somit verflossen die Tage mit Schwimmen im See (Kopf nie unter Wasser! Sicher ist sicher. Der See hat keinen Abfluss und die Dörfer keine Kläranlagen), Fußball schauen, über den Markt wandern und den Einheimischen bei Einheimischentätigkeiten zuzuschauen.

Viel mehr ist in San Pedro auch nicht wirklich passiert, so dass ich nach Quetzaltenango, oder auch Xela genannt, aufgebrochen bin. Xela liegt bereits wieder Richtung mexikanischer Grenze.

Xela oder auch Quetzaltenango

Ziel war es, mit Quetzaltrekkers auf den Vulkan Tajumulco zu klettern. Die Quetzaltrekkers sind allesamt freiwillige Guides, die verschiedene Touren im Hochland von Guatemala anbieten. Das Geld aus den Touren geht direkt an ein Waisenhaus in Xela. Eine ziemlich gute Sache, denn mittlerweile können die ersten Waisen aufgrund des Hauses und eines Stipendiums studieren.

Tajumulco ist der höchste Vulkan und höchste Punkt Zentralamerikas. Da musste ich natürlich hoch. Schließlich schleppe ich seit über einem Monat in meinem Rucksack Bergstiefel, Jacken und Gamaschen umher. Ohne die ganze Ausrüstung wäre mein Rucksack tatsächlich nur halb so groß und schwer.

Samstagmorgens um vier Uhr ging es auf einem Pickup los zum Chicken Bus. Der wurde sehr schnell sehr voll, so dass er es fast nicht die Steigung nach San Marcos hoch kam. Während es langsam hell wurde, konnte ich die Wolkenmassen bewundern, die vom Hochland wie weiße Wasserfälle in die Täler schwappten. In San Marcos wechselten wir den Bus und stiegen eine Stunde später am Fuß des Vulkans aus. Das war bereits auf 3200 Meter und ich bemerkte schon die dünner werdende Luft.

Nun ging es im weit auseinandergezogenen Gänsemarsch den Vulkan hinauf. Nach einer Stunde war so nebelig, dass man sich verlaufen konnte und ich schnappte nach Luft wie ein Karpfen auf dem Trockenen. 3500 Meter sind dann doch anders als die Touren rund um den Tegernsee. Und Winterausrüstung, und ein halbes Zelt im Rucksack fühlt sich anders an als eine Brotzeitdose und Regenjacke für einen Tagesauflug auf den Hirschberg.

Auf 4000 Meter angekommen wurden zuerst die Zelte aufgeschlagen, denn der Regen setzt normalerweise gegen 14 Uhr ein. Er kam gegen 16 Uhr in Form von Hagel. Nach einer Stunde Hagel sah es aus wie eine ordentliche Winterlandschaft in Bayern und war auch ähnlich kalt. Ideale Bedingungen also, um am nächsten Morgen auf eine kahle Vulkanspitze zu steigen.

Als wir um drei Uhr nachts aufwachten, um los zugehen, knirschte der Hagel unter den Stiefeln. Da ich außer den Guides der einzige war, der ordentliche Bergstiefel hatte, schafften wir es leider nicht ganz auf den Gipfel, sondern beobachteten den Sonnenaufgang von einer Felsnase ein wenig unterhalb des Gipfels. Direkt unterhalb der Felsnase lag ein altes Guerilla-Camp aus dem Bürgerkrieg, welches die Luftwaffe Guatemalas aber gründlich zerbombt hatte. Das ist noch gar nicht so lange her und immer noch ein Mahnmal für die Grausamkeiten, die man sich hier gegenseitig und insbsondere den indigenen Mayas angetan hat.

Im Ausgleich zum fehlenden Gipfelglück war die Sicht hervorragend. Ich konnte Antigua unterhalb der drei Vulkane sehen und den Atitlansee zwischen den übrigens Vulkanen erahnen. Außerdem gab es just an diesem Morgen eine massive Eruption aus einem der anderen Vulkane, so dass wir eine riesige Vulkanwolke im Sonnenaufgang bewundern konnten. Alles in allem war es trotz der Kälte, dünnen Luft und Anstrengungen schlicht großartig! Wäre ich nicht mit einer Gruppe unterwegs gewesen, hätte ich es versucht den Gipfel zu erklimmen.

Das Abbauen des Lagers und der Abstieg waren immerhin weniger anstrengend als der Aufstieg und Aufbau am Tag zuvor. Bald waren wir wieder auf dem Weg nach unten und nahmen den nächsten Bus zurück nach Quetzaltenango. Von dort fuhr ich am nächsten Morgen mit meinen geliebten Chicken Busses zurück nach Antigua, um Sandra zu treffen und mit ihr weiter nach Copan und den Bay Islands zu reisen. Zwar war ich versucht noch weiter in den Bergen zu bleiben, um noch ein paar Wanderungen zu machen, aber das werde ich auf dem Weg zurück versuchen.

Copan

Die Reise nach Copan mit einem Shuttle war wieder mal mäßig. Aber wir lernten eine kleine Familie aus London kennen: Lizzy, John und Gilby, ihr dreijähriger Sohn. Wir blieben die Nacht zusammen in Copan und besuchten zusammen die Maya-Ruinen in der Nähe des Ortes. Ursprünglich hatten Sandra und ich keine Lust mehr auf noch mehr Maya-Ruinen. Aber die Kombination aus Ruinen, Urwald und roten Aras machen Copan eine zauberhafte Ruinenlandschaft und sind auf jeden Fall einen Stopp wert.

Zusammen mit Lizzy, John und Gilby reisten wir dann weiter zu den Bay Islands. Das machte das Reisen deutlich leichter, weil mehr Augen auf das Gepäck, Kind und Buspläne achteten. Folglich gelang es den zwei kleinen Jungs am Busbahnhof von San Pedro do Sul auch nicht unser Gepäck zu stehlen oder zu plündern. Aber es ist schon echt merkwürdig, wenn zwei Buben von vielleicht 6-8 Jahren vor dir stehen und so arm sind, dass sie dich am liebsten bis auf die Knochen ausrauben wollen.

Abschließend rammte der Katamaran auf der Überfahrt von La Ceiba nach Utila noch einen großen Baumstamm, so dass uns auch auf diesem letzten Wegstück nicht langweilig wurde…

Mittlerweile bin ich übrigens auf der Nachbarinsel Roatan. Utila wurde dann doch ein wenig zu langweilig und die Sandflies zermürbend.

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