Umzug / Inneneinrichtung (2)

Es ist so weit! Ich ziehe mit Verspätung in mein neues Büro. Endlich einen vernünftigen Bürostuhl und ein Telefon! Und das nur mit minimaler Verspätung!

Heute ist der 7. März. Und ich habe mir Schlüssel zu unserem neuen Büro machen lassen. Kaum eine gute Woche nach dem ursprünglichen Termin, nämlich dem 1. März. Das hat mir auch gleich eine Lektion in Sachen Zeitwahrnehmung gelehrt. Wenn man hier „jetzt“ sagt, heißt das „gleich“. „Morgen“ ist mit „Übermorgen“ gleichzusetzen und „most probably tomorrow“ ist eine Aussage, die sich auch auf kommende Woche beziehen kann. Denn: „Most probably we move to the new office tomorrow.“ Da sind wir jetzt auch.

All das wusste ich natürlich vorher auch schon, aber Theorie und Praxis sind bekanntlich ja doch zwei unterschiedliche Paar Schuhe.

 

Downtown Dammam – der Sismo Tower

Als ich unser neues Gebäude das erste Mal im Sandsturm vor mir auftauchen sah, war mein erster Gedanke: „Wir ziehen in die alte Befehlszentrale des Innlandsgeheimdienstes!“

So sah es drinnen auch aus. Staubig, dunkel und es gibt bestimmt einen Keller mit fiesen Einzelzellen. Die riesige Antenne und die festungsartige Bauweise verstärkten den Eindruck noch. Mittlerweile weiß ich aber, dass es nicht der Innlandsgeheimdienst ist, sondern vielmehr ein Taubenschlag: Wenn man sich dem Gebäude nähert, muss auf dem schnellsten Weg direkt unter das Vordach, denn auf dem Rand des Vordachs sitzen die Tauben und kacken rund um das Gebäude einen Ring auf dem Bürgersteig. Sobald man einmal drinnen ist, hat man keine Probleme mehr. Jetzt kann man die vielen Tauben auf den Fensterbrettern beobachten. Nett. In einem Jahr bin ich Taubenexperte. Innen ist es jetzt mittlerweile übrigens hell, sauber und die Wände sind weiß gestrichen. Alles gut und kein Geschrei aus dem Keller. Die Warnhinweise und Schilder für die Feuerfluchtwege hat man gleich mit überstrichen. Sieht gut aus. Bin sehr zufrieden.

 

Umzugswahnsinn

Die Möbel waren auch schon geliefert. Bestes China- und Malaysiaware in vielen Kartons. Wer sich wundert, wo die Bäume der Orang-Utans hin sind…ich weiß es!

Erstaunlicherweise waren alle Teile und sogar mehr Schrauben als nötig dabei. Ich habe mit den Indern anfangs die Möbel aufgebaut. Sie waren sichtlich beeindruckt von meinen Ikea-Fähigkeiten. Nach 6 Stunden standen 4 Tische und 2 Sideboards und wir haben alle zusammen auf einer Verpackungsfolie mitten im Büro auf dem Boden Picknick gemacht. Mit den Enden essen und dabei lange im Schneidersitz sitzen ist gar nicht so leicht, wie ich schmerzhaft feststellen musste. Es gab Chicken mit Reis und in gebrochenen Englisch haben mich die Inder folgendermaßen geadelt: „Alemania, Thinking, Power, Always thinking.“ Sie waren es offenbar nicht gewohnt, dass ein Weißer auch körperlich arbeiten kann.  Immerhin steht jetzt mein Schreibtisch und die Stühle dazu. Ist zwar nicht das schönste Modell und ich bin von Amazon auch einen anderen, sagen wir moderneren Stil gewohnt, aber letztendlich ist es mir ein wenig wurscht, an welchem Schreibtisch ich arbeite. Komme ja ein bisschen rum und sehe andere Büros. Für die hiesigen Verhältnisse ist es ein wahres Prachtstück und günstig ja noch dazu. Gut sitzen kann ich daran auch. Generell scheint man bei Schreibtischen der Devise zu folgen, die in Snatch für Revolver ausgegeben wurde (vielleicht auch auf meinen Schreibtisch übertragbar):

In den nächsten Tagen habe ich die Inder alleine weiter arbeiten lassen. Daraufhin dauerte es 4 Nachmittage, bis die 3 Schränke aufgebaut waren…Na ja. Jeder von uns hat für sein erstes Expedit-Regal länger gebraucht. Und bei den Chinesen gibt es halt auch keine Anleitung. Ein Hoch auf die Schweden!

Direkt im Anschluss haben sie sich noch um die offene Tür zu den Fensterbrettern draußen gekümmert.

 Da wohnen ja die Tauben und Küchenschaben. Und die wollen wir genauso wenig im Büro haben, wie den allgegenwärtigen Staub. Also muss die Tür richtig verschließbar sein. Gekonnt hat man es, wie auf dem Bild ersichtlich, geschafft den Riegel nach allen Regeln der Kunst so anzubringen, dass man nur 2 Schrauben braucht… Man sagt manchmal besser einfach nichts und schaut weg.

 

Steckerwahnsinn

Währenddessen habe ich versucht das Verlängerungskabel in die Steckdose zu stecken. Das ist gar nicht so einfach, weil es ein paar mehr Steckertypen als bei uns gibt.

Laut Wikipedia, wo ich mich vor der Abreise informiert habe, gibt es in Saudi-Arabien vier verschiedene Stecker und zwar A, B, F, G. Schon mal doof, aber immerhin habe ich für die meisten Geräte einen deutschen und einen amerikanischen Stecker. Sollte also gehen.

Die Wahrheit sieht aber mal ganz anders aus. Als ich die verschiedenen Optionen auf der Verpackung des Verlängerungskabels sehen musste, habe ich erst mal gelacht. Dann habe ich überlegt, wie ich das Verlängerungskabel an die Steckdose anschließe. Zwar gibt es gleich zwei verschiedene Steckdosen (übrigens eine davon ist nicht bei Wikipedia aufgelistet), aber mein Verlängerungkabel passte in keine Steckdose. Also erst mal einen Inder, glaube er heißt Wenkeet, losgeschickt, damit er einen Adapter kauft. Wenkeet kommt mit drei verschiedenen Adaptern zurück und ich kann das Verlängerungskabel anschließen. Dummerweise passt der Stecker vom Laptop nicht in die Buchse des Verlängerungskabel. Muss er aber! Scheint ein mechanisches Problem zu sein. Lösung: Stecker wieder abstecken, Buchse aufschrauben, Drähte hin und her biegen, wieder alles gut zuschrauben und schwupps passt auch der Stecker vom Laptop. Ich bin überglücklich und arbeite weiter am Laptop.

Nach längerer Zeit, die Inder sind ja noch ein paar Tage mit den Schränken beschäftigt, kommt Wenkeet auf die Idee den Bode zu saugen. Dummerweise passt der Stecker wieder nicht ins Verlängerungskabel. Auch rohe Gewalt hilft nicht.

 Während ich die 3 verschiedenen Adapter durchprobiere, die wir mittlerweile auf meinem Schreibtisch liegen haben, löst Wenkeet das Problem auf seine Weise. Mir läuft es kurz kalt den Rücken runter, aber mittlerweile ist der Boden sauber und sein Stecksystem ist zum Standart geworden. Besser nicht hinschauen und einfach weiter machen… Letztendlich steht und funktioniert aber alles. Die Inder haben mir die ersten Brocken Urdu beigebracht und kommen täglich vorbei um zu schauen wie es mir geht und ob wir ein paar Aufträge für sie haben. Kaum macht man einen Umzug zusammen, ist man dicke befreundet. Schön! Ich mag die Jungs!

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