“The mountains are calling and I must go.” – Der Risserkogel

Vorweg, bevor ich über den Risserkogel erzähle, muss ich mich selbst kurz ankündigen. Bin nämlich wieder daheim. Fuhr vergangene Woche von Holbox nach Cancun, wartete lange 9 Stunden am Flughafen und abschließend 10 Stunden im Flieger nach Frankfurt.

Jetzt könnte man sich fragen, warum ich nicht einfach direkt nach München geflogen bin. Antwort ist einfach. Bin ich erst mal daheim, fahre ich wahrscheinlich nicht mehr so schnell wieder weg. Deshalb habe ich vorher noch Freunde in Frankfurt besucht und mich für 3 Tage dort akklimatisiert. Zwar war Frankfurt wettertechnisch nicht besonders freundlich zu mir und hat sich von seiner grauen Seite gezeigt, aber trotzdem merkte ich, dass es auch schön ist wieder daheim zu sein. So hässlich und furchtbar ist es hier wirklich nicht. Und die Frankfurter Kombination aus Alt und Neu hat durchaus seinen Zauber.

Zum Ausgleich durfte ich mich abends in einer Bar auch gleich vom unfreundlichen Bar-Personal anschnauzen lassen. Schön wieder in der Heimat zu sein! Na ja. Fühlte mich zwischen den ganzen Anzugsträgern auch irgendwie unwohl in meiner alten Hose, Bergstiefeln und Outdoor-Jacke.

Dies Unfreundlichkeit wurde aber von meinen Freunden in Frankfurt und tags drauf München wieder mehr als ausgeglichen. Ich hatte einen frühen ICE nach München genommen, wurde von einer Freundin, die gerade aus Berlin kam, direkt zum Frühstück eingeladen, bevor mich eine weitere Freundin zu meinen Eltern fuhr und auch gleich zu Kaffee und Kuchen blieb.

 Meine Eltern wussten nichts von meiner Ankunft und haben sich doch sehr gefreut, als ich überraschend in die Küche marschierte.

Auf zum Risserkogel über dem schönen Tegernsee

Nun war das Wetter in München leider auch nicht viel besser als in Frankfurt. Der Hochnebel hing wie eine bleierne Decke über der Stadt. Der Erfahrung nach bedeutet das im Herbst aber auch oft, dass der Nebel nur über dem Flachland hängt und die Berge im Sonnenlicht baden. Nach einem kurzen, bestätigenden Blick auf diverse Webcams am Tegernsee war der Entschluss schnell gefasst das gute Wetter zu nutzen und auf den Risserkogel zu klettern.

Vater motiviert (war nicht wirklich nötig), Brotzeit gekauft, Wandersachen aus dem großen Rucksack in den Kleinen umgepackt, alles stehen und liegen gelassen und schon ging es am nächsten Morgen los in die Berge.

Wenn ich eine Weile die weite Welt bestaune, dann vergesse ich schnell mal, wie schön es daheim ist. Aber der Tegernsee im Morgennebel zwischen den hoch aufragenden, noch grünen Bergen, machte mir das schnell wieder klar.

Aufstieg auf den Risserkogel: Die Südvariante

Geparkt haben wir bei der Schwaigeralm, direkt neben Wildbad-Kreuth. Quasi in unmittelbarer Nähe des Schlosses, da wo die CSU traditionell ihre Klausurtagung abhält.

Größere Kartenansicht
Im Tal war es frostig kalt, weil die Sonne kaum mehr dorthin scheint. Noch bildet sich aber kein Eis an den Rändern der kleinen Wasserfälle. Ich fand die Kälte nach einem Jahr des Sommers klasse. Alles ist mit stacheligen Eiskristallen überzogen, die mich ein wenig in Weihnachtsstimmung brachten. Winter- oder Weihnachtsstimmung kommt am Strand oder im Dschungel bei mir nur bedingt auf.

Endlich Sonne! Nahe des Risserkogels
Endlich Sonne! Nahe des Risserkogels

Aber bald steigt der Pfad durch den Wald bergauf und nach kurzer Zeit war die Sonne erreicht. Bei kalter, klarer Luft und Sonnenschein wurden mit jedem Schritt mehr Gipfel um uns herum sichtbar. Zuerst nur Ross- und Buchstein sowie der Leonhardstein. Später die Halserspitze, der Schildenstein und Hirschberg.

Erste Rast legten wir auf der Scheuerer-Alm ein. Ich bin aufgrund meiner letzten Monate und Bergtouren in Guatemala doch ein wenig besser im Tritt, mein Vater hingegen nicht. Auf der Alm gab es die ersten Stücke echte Schweizer Schokolade, die ich seit Monaten genießen durfte. Nicht zu vergleichen mit dem Zeug in Saudi oder Zentralamerika! Von nun an, so kam es mir zumindest vor, fraßen wir uns mit Schokolade bergauf. Auch keine schlechte Art zu wandern.

Dort wo der Wald langsam in die Wiesen oberhalb der Baumgrenze übergeht liegt die Ableiten-Alm. Auch diese ist natürlich so spät im Jahr schon geschlossen, aber wir setzen uns einfach auf die Wand an die Südseite und genossen das Panorama. Im Südosten sieht man die eisigen Höhen des Alpenhauptkamms mit dem Großvenediger und Großglockner. Im Süden wird die Sicht von Guffert, Halserspitze und Schildenstein verdeckt, bevor in der Ferne weiter im Südwesten das Karwendel und letztendlich die Zugspitze selbst zu sehen sind. Während der Alpenhauptkamm und die Zugspitze schon tief verschneit und feindlich wirkten, waren die niedrigeren Gipfel noch schneefrei und luden zur nächsten Bergtour ein.

Danach machten wir Brotzeit. Da wir Beide Essen für zwei mitgebracht hatten, fiel es diesmal auch wirklich fürstlich aus. Brot, Käse, Wildsalami, Gurken, Eier und natürlich zum Nachtisch Schokolade. Das habe ich auf diversen Touren auch schon anders erlebt.

An der Ableiten-Alm trennten wir uns für eine Weile. Während mein Vater windgeschützt in der Sonne verweilte, lies ich alles außer Fernglas und Wanderstab zurück und eilte zum Grat hinauf. Unterwegs hielt ich öfter an, weil Gämsen meinen Pfad querten oder entlang der Baumgrenze streiften.

Vom Grat aus war der Risserkogel, Setzberg, Wallberg und Plankenstein einsehbar. Viele Leute waren so spät im Jahr aber nicht mehr unterwegs. Der Gipfel des Risserkogels wirkte ziemlich verlassen und somit beeilte ich mich wieder auf die Alm abzusteigen.

Während des Abstieges offenbarte sich nochmals die ganze spätherbstliche Pracht der Alpen. Die Nachmittagssonne tauchte die umliegenden Gipfel in sanftes Licht, während  Gämsen die Lawinenstreifen querten und sogar ein Steinadler zog patroullierend seine Runden über den offenen Wiesen. Alles in allem ein perfekter Tag in den Bergen, der für mich auch irgendwie den Sommer beendete und die Weichen für den Winter stellte.

Abschließend muss man am Tegernsee nach so einem Tag natürlich noch ins Bräuhaus und ein Bier trinken. Haben wir natürlich auch noch gemacht.

Fazit

Heim gekommen, Freunde getroffen, in die Berge gegangen. Großartig!

Diese letzte Bergtour auch ein wenig als Abschluss meiner Reise. Schade, dass diese Zeit vorbei ist. Ein wenig sollte man und werde ich diesen Clip im Hinterkopf behalten, der derzeit in einschlägigen Netzwerken kursiert. Denke, das beschreibt es doch ganz treffend, wenn auch ein wenig idealistisch.

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