Rückkehr nach Kiwi-Land: Christchurch und die Reste des Bebens

Christchurch! Neuseeland! Hip hip hurra! 8 Jahre nach meinem letzten Besuch in Neuseeland bereise ich wieder dieses wunderbare Land weit hinter dem Horizont. Plan war es, Abby, Jenny, Julia und Charlotte zu treffen und in unterschiedlicher Besetzung Milford Track, Routeburn Track und Rees-Dart Track zu wandern, Kayak zu fahren und im Ozean schwimmen zu gehen. In Bildern gesagt wollten wir das hier machen (haben wir auch):

Da allesamt aus der halben Welt anreisten, war die erste Anlaufstation Christchurch auf der Südinsel, auf das ich sehr gespannt war. Ich wusste, dass das Erdbeben von Februar 2011 große Zerstörung in der Garden City angerichtet und insbesondere das Stadtzentrum schwer verwüstet hatte. Ich sollte erstaunt werden, wie sehr sich die Stadt seit meinem letzten Besuch verändert hatte.

 

Treffpunkt Christchurch

Voller Vorfreude stieg ich am 22. November in München in den Flieger. Vorbei an meiner ehemaligen Wahlheimat Dammam im staubigen Saudi-Arabien und dem politische unruhigen Bahrain, wohin ich damals  alle paar Wochen ausreiste um ins Kino zu gehen, flog ich nach Dubai. Dort schnell umgestiegen, ging die Reise mit kurzen Stops in Bangkok und Sydney nach Christchurch. Als Treffpunkt hatten wir ein Backpackers in der Chester Street ausgewählt, dessen Garten bereits in frühsommerlicher Pracht blühte.

Julia wollte im Laufe des Nachmittags auftauchen, Abby irgendwann später (wurde dann 3 Uhr morgens). Jenny sollten erst in Queenstown zu uns stoßen und Charlotte und ich wollten uns bei meiner Rückkehr nach Christchurch treffen.

Christchurch – Das Erdbeben vom Februar 2011

Im Flieger saß ich seit Bangkok neben einer Cellistin aus Christchurch und hatte mich ein wenig über das Beben und die Stadt unterhalten. Laut ihrer Aussage leben in der Stadt ein Drittel weniger Menschen als zuvor! Immerhin wohl nur noch diejenigen, die auch wirklich an die Zukunft der Stadt glauben.

Weshalb die Stadt so zerstört wurde und 185 Menschen in den Trümmern starben, liegt an einigen Besonderheiten des Bebens. Zum einen war das Epizentrum gerade einmal 5 km unter der Stadt, also sehr dicht. Zum anderen erreichte die Schockwelle die 2,2-fachen Erdbeschleunigung, was dann ja doch recht flott ist. Auf der Momentum-Magnituden-Skala erreichte das Beben eine 6,3. Bei einer Stärke von 10,6, nimmt man an, reisst die Erdkruste völlig auseinander. Will man dann auch nicht erleben.

Infolge dessen verflüssigte sich der Untergrund in einigen Stadtteilen von Christchurch, so dass man fürchtet, ganze Stadtteile aufgeben und in Parks umwandeln zu müssen. Es lassen sich wohl schlicht keine Fundamente mehr in den Boden setzen!

Auf meinem Weg vom Busbahnhof zur Chester Street lief ich etwas planlos durch die Innenstadt (30 Stunden Flugzeit verlangen offenbar ihren Preis). Wohin man sieht vernagelte Häuser mit geborstenen Scheiben, durch Container gestützte Hausfassaden, leere Flächen und mit Bauzäunen abgesperrte Straßenzüge. Außerdem kam ich am Sonntagnachmittag an und auf den Straßen war kaum was los. Das war der etwas trostlosen Atmosphäre sicherlich nicht abträglich. Plötzlich stand ich vor einem riesigen, halb eingestürzten Gebäude aus grauem Stein. Erst beim zweiten Hinschauen erkannte ich die Kathedrale, die während des Bebens ihren Turm verloren hat und Teile der Eingangshalle verlor.

Wie man auf dem Bild sehen kann, hat man viele der Bauzäune geschmückt, damit nicht alles so traurig aussieht. Generell versuchen Stadt und Bewohner vieles, damit die Stadt nicht noch trostloser wirkt: Hauswände werden bunt bemalt, Bauzäune geschmückt, überall finden sich Kunstausstellungen.

Ein gutes Beispiel ist Re:Start. Eine Einkaufs“meilen“ aus bunten Containern im Zentrum von Christchurch. In den Containern sind Shops oder Stände untergebracht, die Essen verkaufen. Es gibt sogar bayrische Bratwurst (habe ich aber nicht probiert). Eine Open-Air Bühnen und Kunstinstallationen runden das Einkaufszentrum ab. Parken ist auch einfach, weil direkt daneben ein riesiges Gebäude abgerissen wurde und somit eine weite Schotterfläche vorhanden ist.

Trotz der vielen Kunstprojekte, bunten Container und dem unermüdlichen Beteuern der Einwohner ist das Zentrum von Christchurch aber nach wie vor ziemlich zerstört. Das liegt unter anderem auch, so sagen die Einheimischen, an der schleppenden Bearbeitung der Versicherungen. Zwar ist der Schutt größtenteils weggeräumt und viele Handwerker sind in die Stadt gezogen, aber ob Christchurch sich wieder so richtig erholen wird oder ob beispielsweise Queenstown mit seinem Flughafen langsam zur wichtigsten Stadt auf der Südinsel wird, muss wohl die Zeit zeigen.

Mich hat es tatsächlich schockiert und traurig gestimmt, hatte ich diese nette und freundliche Stadt doch ganz anders in Erinnerung. Jetzt hoffe ich, dass sich Christchurch erholt und zu alter Blüte zurück findet. Am Optimismus und Mut scheint es nicht zu fehlen, liest man die vielen Graffitis an den Ruinen.

 

Von Christchurch über Lake Tekapo nach Queenstown

Nachdem Abby nachts angekommen war, konnten wir am nächsten Tag Richtung Queenstown aufbrechen. Wir ließen unwichtige und schwere Dinge auf dem Dachboden des Backpackers zurück, holten unseren Mietwagen ab (ein ganz tolles Gefährt) und starteten ins Landesinnere. Zwar hatten wir auch den Bus in Erwägung gezogen, aber da Abby das Land noch nicht kannte, bot ein eigenes Auto einfach mehr Möglichkeiten um kurz anzuhalten, Sachen anzuschauen, kleine Umwege zu fahren und Blödsinn zu machen.

Erster und einziger richtiger Zwischenstop auf unserer zweitägigen Reise war Lake Tekapo mit dem Blick auf Mount Cook. Da wir nicht mehr weiter fahren wollten, blieben wir auch gleich für eine Nacht dort. Normalerweise kann man den majestätischen Berg über dem See aufragen sehen. Aber das Wetter wollte nicht so ganz wie wir das wollten und somit blieb uns der Blick verwehrt und der Berg in den Wolken.

Queenstown und Arrowtown

Immerhin wurde das Wetter am folgende Tag deutlich besser und wir durchquerten im strahlenden Sonnenschein die gelbliche, vom rauen Wind zerzauste Steppe des Hochlands von Otago. Vorbei an großartigen Orten wie Twizel, Omarama und Cromwell stoppten wir erst wieder im pittoresken Goldgräberstädtchen Arrowtown, um mittags ein paar Meat Pies zu essen. Abby hatte von einer Bekannten einen Tipp bekommen, den wir natürlich ausprobieren mussten. Bei mir war es Hirsch sowie Hühnchen-Curry. Zur weiteren Verbesserung der Stimmung legten wir noch eine etwas längere Pause in der örtlichen Brauerei ein (ich musste natürlich Auto fahren…).

Auf den letzten Metern nach Queenstown (das ist rund 15 Minuten von Arrowtown entfernt) hielten wir kurz an der Kawarau Bridge. Das ist der Ort, an dem Bungee jumping „erfunden“ wurde und immer noch in rauen Mengen fabriziert wird. Vor 8 Jahren war das ein staubiger Parkplatz von dem man auf den Fluss schauen konnte. Jetzt steht dort ein moderner Bunker aus Glas und Sichtbeton. Man kann immer noch auf den Fluss schauen, den Mut anderer bewundern und zusätzlich seinen „beinahe“ Sprung mit den nötigen Merchandise-Artikeln dokumentieren. Ganz großes Kino! Glaube, jeder einzelne Bus von Kiwi-Experience hält hier an.

Kawarau Bridge nahe Queenstown
Kawarau Bridge nahe Queenstown

Wir fuhren zügig weiter nach Queenstown und bezogen unser Quartier im Bumbles direkt am Ufer vom Lake Wakatipu. Dort trafen wir auch Jenny, buchten den Bus nach Te Anau am nächsten Morgen (das ist der Startpunkt für den Milford Track) und trafen letzte Vorbereitungen für die kommende Wanderung.

Bumbles sollte für Abby und mich in den kommenden drei Wochen so was wie die Basis werden, weil wir von unseren Touren hierher zurückkehrten und wieder starteten. Wieder ließen wir Teile unseres Gepäcks im Lagerraum des Backpackers, damit wirklich nur das nötigste getragen werden musste. Also nicht viel. Dauerte dann auch nicht lange, bis uns Fiona, die Besitzerin, bei Namen kannte. Unter anderem auch, weil wir beide kein Internet-fähiges Gerät dabei hatten. Fand sie gut. Wir auch.

Nachdem alles erledigt war gab es am Ufer des Lake Wakatipu noch ein Feierabendbier/Cider und abschließend einen großen Burger bei Fergburger (kann jedem nur empfehlen dort vorbei zu schauen! Sau lecker!). Dann gingen wir alle in Erwartung der nächsten Tage früh schlafen, bevor wir morgens den Bus nahmen, der uns entlang des riesigen Lake Wakatipu bis nach Te Anau im Fjordland brachte.

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