Portugal – I’ve got two places I like to be. Portugal is one.

„Portugal, Eike? Wirklich? Du warst doch eben erst unterwegs! Zum Beispiel hier, hier oder dort? Hast du nicht grade eine neuen Job angefangen? Wolltest du nicht erst mal arbeiten? Und überhaupt!“

„Stimmt. Portugal. Und ja, ich habe grade erst einen neuen Job angefangen, aber mein Chef und meine Kollegen waren so freundlich mir ein paar freie Tage zu gewähren und mich zu vertreten (Vielen Dank hierfür an dieser Stelle! Ich weiß das sehr zu schätzen.) Und ja, ich war letztes Jahr weg, aber das ist ja kein Argument jetzt nicht nach Portugal zu fahren, oder? 😉

Es gibt einen Song, der sich „I love the unknown“ nennt. Er beschreibt ziemlich perfekt, wie ich mich manchmal fühle und deshalb treibt es mich auch immer wieder in die Welt hinaus. Diesmal eben mit Abby nach Portugal. Und den Song haben wir oft genug im Auto gehört. Lrics finden sich in der Beschreibung des Videos.

 

 Hauptdarsteller auf dieser Reise durch Portugal

 

 Portugal. Erstmal eine Runde Lissabon.

Samstagmorgens um drei in München aufgestanden und um halb 10 Uhr im Hostel in Lissabon gewesen, in dem Abby und ich mich verabredet hatten. Klappte perfekt. Abby, weil einige fragen werden, kenne ich aus Guatemala. Sie war eine der Guides bei Quetzaltrekkers.

Dort kurz das Gepäck verstaut und los ging es die Altstadt zu erkunden. In den engen Gassen der Alfama fanden wir einen Flohmarkt mit Krimskrams wo weit das Auge reicht. Alles mit Blick auf den breiten Tejo mit seiner Brücke wie in San Francisco. Der Tejo ergießt sich hier kurz außerhalb von Lissabon in den Atlantik.

Abends ging es zum Essen auf die andere Seite des Tejos. Wir bestellten großartige Schrimps in Knoblauch sowie Meeresfrüchte in Reis. Das passte thematisch gut zu uns, weil wir in Guatemala und ganz Zentralamerika quasi immer nur Reis mit Bohnen zum Frühstück gegessen hatten. Zuvor gab es allerdings noch ein kleines Bier in einer Bar am Ufer und man reichte uns dazu Tremoço. Wie wir später herausfanden, sind das Lupinenkerne. Man verspeist also Blumenfrüchte zum Bier. Sehr lecker!

 

 Belem und Fado – wichtig in Portugal und Lissabon

Am Sonntagmorgen fuhren wir nach Belem und waren abends in einer typischen Fado-Kneipe zum Essen verabredet. Ein Freund meiner Familie war so großzügig uns in seiner Wohnung wohnen zu lassen, uns durch die Stadt zu führen und uns diese Fado-Bar zu zeigen. Vielen Dank  hierfür.

Belem ist ein wichtiger Ort für die Geschichte Portugals und Lissabons. Von hier starteten die Schiffe Vasco da Gamas zu ihrer Reise nach Indien (symbolisiert durch ein hässliches Monument aus der Salazar-Diktatur). Es gibt phänomenale Gebäcke und das Hieronymuskloster . Wir begannen mit der riesigen Klosteranlage im Stil der Manuelinik. Unglaublich verspielte Architektur und unglaublich viele Menschen. Also bald zum riesigen Monument gewechselt, welches ob seiner „Schönheit“ aber sehr schnell von Gebäck im Park abgelöst wurde. Kultur macht ja schließlich auch hungrig.

Abends schlenderten wir dann mit Olaf, unserem Gastgeber, durch Lissabon zur Fado-Bar. (An dieser Stelle nochmals meinen besten Dank für die Gastfreundschaft!) Der klagende Fadogesang wird während des Essens „genossen“. Ein super Erlebnis und zum Schluss sang sogar noch die Köchin. Nur der Deutsche mit seiner Kamera direkt vor den Sängern hätte mir/uns erspart bleiben können. Fremdschämen war leider auch angesagt…

 

 Mit Clem durch ganz Portugal

Am Montagmorgen holten wir unseren kleinen Mietwagen ab. Wir nannten ihn Clem und er war ein zuverlässiger Begleiter auf unserer Camping-Tour durch ganz Portugal. Als erstes wollten wir uns den steinigen Nationalpark Peneda-Gerês an der Nordgrenze Portugals ansehen. Von dort dann im großen Bogen und in fünf Tagen durch das Landesinnere, über das Douro-Tal und den Alentejo bis nach Setubal im Süden von Lissabon. Diese Ochsentour sah dann so aus:


Größere Kartenansicht

 Der Norden Portugals – Peneda-Gerês und der Douro

Nachdem wir die Formalitäten für Clem erledigt hatten, ging es direkt auf die Autobahn. An dieser Stelle will ich eine Lanze für die EU brechen: Ähnlich wie auf meiner Reise durchs Baltikum vor ein paar Jahren, kann man auch in Portugal Tafeln finden, auf denen auf die Hilfe der EU hingewiesen wird. Portugal ist einer der Orte, an dem man mal gut sehen kann, wie sehr die EU Ländern hilft, die vielleicht nicht mit einer Wirtschaft wie wir hier in Deutschland gesegnet sind. Viele Teile der Infrastruktur sind aus Geldern der EU bezahlt und in hervorragendem Zustand. Das Mautsystem funktioniert „dummerweise“ auch sehr gut.

Im Nationalpark haben wir erst mal das Zelt aufgebaut und gecampt. Gut, dass wir beide beim campen nicht zimperlich sind, denn es war kalt… Leider stellten wir beiden verwöhnten Wandersleute schnell fest, dass der schöne Nationalpark wie Schottland wirkt und sich bezüglich der Schwierigkeit der Tracks nicht mit den Alpen und schon gar nicht mit den Rocky Mountains messen kann. Forststraßen sind nicht so unser Ding. Also ab ins Auto und auf nach Süden.

In Amarante verbrachten wir die nächste Nacht und bewunderten die kleine Altstadt mit seiner geschichtsträchtigen Brücke. Hier fand in den napoleonischen Kriegen eine wichtige Schlacht statt, die den Ablauf der Invasion stark beeinflusste.

Von Amarante fuhren wir am 1. Mai in das angeblich älteste Weinbaugebiet der Welt, ins obere Tal des Douro. Hier wird der weltberühmte Portwein angebaut. Das mussten wir natürlich sehen. Sowohl die Landschaft, als auch die Keltereien, insbesondere die Quinta de Todo. Probiert wurde selbstverständlich auch. Von Pinhão ging es durch die Weinberge weiter nach Süden.

 

 Serra da Estrela, Monsanto und durch den Alentejo

Immer weiter ging es durch Weinberge und über verlassene Straßen und so campten wir letztendlich, ohne es geplant zu haben (das haben wir eh nie), in Valhelhas, im Parque Natural da Serra da Estrela. Im Park liegt Portugals höchstes Festlandgebirge. Mit fast 2000 Metern ist es hoch genug um sogar ein paar Skipisten anzulegen, die aber ein wenig deplatziert wirken. Es hatte sogar noch einige Schneefelder oben am Torre.

 

 

Über das Gebirge fuhren wir nach Monsanto. Dieses kleine Dorf liegt auf einem riesigen Granitfels. Die Häuser wurden direkt in die chaotisch umherliegenden Felsblöcke eingepasst. 1938 wurde es von der Regierung als das portugiesischste Dorf Portugals erklärt. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Den Tag rundeten wir mit einem ausgiebigen Picknick in einem gelben Lupinenfeld im Schatten von Korkeichen ab. Übernachtet wurde auf einem kleinen netten Campingplatz mit einem riesigen, überdimensionierten Tor, umgeben von Lavendelfeldern und Korkeichen. Alentejo wie man es sich vorstellt.

Der vorletzter Tag unseres Roadtrips spielte sich im rollenden Alentejo ab. Vorbei an Störchen, Korkeichen, Windmühlen und ummauerten Städten hinunter zum Meer. Wir wollten noch ein wenig an den Strand. Olaf hatte uns einen Campingplatz empfohlen, der dramatische Sandformationen hat und wo man direkt auf den Dünen campen kann. Blick aufs Meer inklusive. In etwa so wie ich mir das vorgestellt hatte. Den Nachmittag verbrachten wir mit dem Bau eines Sonnenschutzes, vorsichtigem Eintauchen des großen Zehs in den doch recht frischen Atlantik (bin später auch reingesprungen, aber das führte zu einer sehr schnellen Erfrischung und Schnappatmung) und lesen.

 

 Zurück nach Lissabon

Nach einem Tag Strand trieb es uns aber schon wieder weiter. Ursprünglich wollten wir bis Sonntag bleiben, nachmittags zum Flughafen fahren, das Auto am Flughafen abgeben und für mich hätte es geheißen: „Last boarding call for Mr. Benkert!“ Da uns Lissabon aber so gut gefallen hatte, beschlossen wir bereits einen Tag früher in die Stadt zu fahren, das Clem auch schon früher abzugeben und nochmals eine Nacht bei Olaf zu bleiben. Diese Entscheidung hat sich auch bezahlt gemacht, weil wir nochmals in Ruhe durch die verwinkelten Gassen laufen, die bunten Fliesen an den Wänden der Häuser bewundern  und den Urlaub mit einem großartigen Frühstück auf Olafs Balkon krönen konnten.

Sonntagnachmittag war dann trotzdem Zeit Abschied zu nehmen. Aber die knapp 9 Tage waren hervorragend genutzt und ich habe viel neues kennengelernt. Fazit: Portugal ist großartig, Lissabon wunderschön und die Portugiesen extrem nett. Uneingeschränkt empfehlenswert!

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