Nicaragua am Pazifik: Super Bueno Nica Power!

Die Pazifikküste von Nicaragua ist schlicht großartig und atemberaubend. Das war definitiv eines der Highlights in den letzten Wochen und verdient meine neuen Lieblingsausdruck: Super Bueno Nica Power!

Wir haben in Magnific Rock neben Natasha, einer Freundin aus San Francisco, auch eine Gruppe anderer Reisender aus Neuseeland, Holland und Australien kennen gelernt. Eine Kiwi und der Holländer leben in Granada, also direkt ums Eck und hatten sich für den Wochenendausflug an die Pazifikküste von Freunden einen Landrover ausgeliehen. Dann waren sie so nett und haben uns zu Ausflügen entlang der Küste mitgenommen (eigentlich haben wir den Land Rover eher gekapert und sie mussten uns mitnehmen).

Also sind wir zu siebt in den Wagen gesprungen, haben ein Surfbrett zwischen die türkisen Sitze geklemmt und wollten los. Dann kam es aber zu einigen Zwischenfällen, die daheim ärgerlich gewesen wären, hier aber eher lustig sind und sich mit Gelächter, Bier und Zeit lösen lassen.

Nica Power Roadtrip entlang der Pazifikküste

Erstes Problem war natürlich, dass der Wagen gar nicht erst ansprang. Das war aber ein bekanntes Problem und lies sich durch Wackeln an der Kontakten der Batterie beheben. Easy.

Zuerst ging es zum tanken. Tankstellen gibt es aber nicht, dafür ein paar Nica, die Sprit verkaufen. Nach einem kurzen Stop in einem Fischerdorf in dem man aus Plastiktüten Taschen webt (das schützt die Schildkröten, weil die sonst die Tüten für Quallen halten und daran sterben), ging es weiter nach Playa del Gigante. Ein großartiger Ort, wie man auf dem Bild sehen kann. Wellen die direkt bis an die Terrasse des Hostels spülen, eine schöne Bucht und wenig Menschen.

Zurück beim Auto mussten wir aber feststellen, dass wir einen Platten hatten.

Erster Gedanke aller Teilnehmer: „Shit!“ Zweiter Gedanke: „Aber wir haben ja einen Ersatzreifen!“ Dritter Gedanke: „Der Ersatzreifen ist mit einem Vorhängeschloss gesichert und wir haben den Schlüssel nicht! Wo könnte der sein oder wie kriegen wir das auf?“

Kurz drauf merken wir auch, dass wir keine Schraubenschlüssel für die Radschrauben haben. Daraufhin ist unter sieben Akademikern guter Rat teuer, denn kaum einer scheint zu wissen, wie man das Rätsel lösen könnte. Einige Probleme die sich den illustren Reiseteilnehmern stellten:

  1. Holländer (frei übersetzt aus dem Holländischen): „Verdammt! Keine Ahnung, wie man einen Reifen wechselt und ich bin fürs Auto verantwortlich! So ein Mist. Was tun? Ah! Erst mal Hände in die Taschen. Das ist ne gute Idee!“
  2. Neuseeländerin Nr.1: „Haha! Lustig! Holen wir uns alle erst mal ein Bier und lachen eine Runde! Bin zwar auch verantwortlich aber das regelt sich schon irgendwie.“
  3. Amerikanerin: „Ich frag mal nach Hilfe! Wer kann mir schon Hilfe verwehren? Sehe ja umwerfend aus. (Anmerk. d. Red.: Stimmt)“
  4. Neuseeländerin Nr. 2: „——–. Mir wurscht. Wird mein Freund schon lösen. Wozu hat er Muskeln?“
  5. Neuseeländer (Freund der Neuseeländerin Nr. 2): „I help that German guy. I don’t know his name, but eh seems to know stuff.“
  6. Deutsche: „Naja, irgendwer wirds schon machen. Theoretisch und praktisch weiß ich wie man Reifen wechselt, aber einer der Jungs wirds schon erledigen.“
  7. Deutscher: „Yup. Habs kapiert. So wie es aussieht, werde ich es machen müssen.“

Ende vom Lied war dann, dass wir in einem Akt von Teamwork (Team: Toll, Ein Anderer Machts) wie folgt vorgingen: Rob, ein Ire aus dem Hostel, kam mit einer Brechstange und hat das Vorhängeschloss geknackt. Dabei war er aber vorsichtig genug, so dass der Wagen nicht vom Wagenheber fiel. Somit konnte Natasha anfangen mit einem geliehenen Radkreuz die Schrauben vom Ersatzrad zu lösen und schon war der erste Schritt getan. Den Schlüssel für den Vorhängeschloss am Reifen haben wir aber trotzdem nie gefunden. Warum hat man ein Vorhängeschloss, wenn der Schlüssel nirgends im Auto zu finden ist?

Somit konnte ich, nachdem der Wagen mit einem Brett, einem Pfosten und zwei Wagenhebern aufgebockt war, mit einem Zaunpfahl und dem mittlerweile geliehenen Radkreuz die Schrauben lockert und den Reifen wechseln. Alle anderen standen in bester Teamworkmanier außen rum, schauten zu oder alberten rum.

 

 

 

 

Abschließend alle sieben inkl. Surfbrett wieder auf die türkisen Sitze und ab ging es zurück nach Magnific Rock. Während der Fahrt wurde dann beschlossen, dass es eh klar sei, dass die Deutschen (also der Deutsche) fürs Reparieren zuständig seien, weil die Deutschen sich ja auch mit Autos auskennen und der Holländer eh nicht wüsste, wie man Reifen wechselt. Nun und wer kann solchen charmanten Komplimenten schon wiedersprechen?

Nica Power Party

Abends kamen noch eine Horde weiterer Aussis an und auf Befehl des Besitzers von Magnific Rock wurde die Bar geschlossen und komplett zu einer lokalen Disco irgendwo im Busch verlegt. Zur Auswahl standen: Am Strand entlang laufen, durch den Fluss schwimmen und sich dann rechts halten, oder aber auf den Pickup oder in den Van springen und in atemberaubendem Tempo (die Staubentwicklung war auch atemberaubend) direkt zur Party zu düsen. Ehe klar: Da nimmt man besser den Pickup. Oder eben nicht, wenn man, wie Natasha, zu lange braucht, um sein Geld vom Zimmer zu holen.

Die Disco war dann eine bomastische, rauschende Ballnacht mit einer Mischung aus einheimische Jungs und Mädels, betrunkenen alten Männern, Expats die meist irgendwie mit surfen zu tun haben und ne Horde Surfer.

Irgendwann gegen später gab der Besitzer von Magnific Rock dann wieder das Zeichen zum Aufbruch, so dass jeder, der nach Hause wollte und lieber nicht mit den Aussis fahren oder durch den Fluss schwimmen wollte, sich irgendwie am Pickup festhielt.

Wir waren mittlerweile deutlich mehr Leute als auf der Hinfahrt, weil viele Nica-Mädels mitfuhren. Die wurden jeweils uns nach Hause gebracht, damit sie nicht alleine im Dunklen durch den Busch laufen mussten. Die Besatzung des Pickups verteilte sich so, dass sich 4 Leute in die Fahrerkabine quetschten. 4 Leute auf der Fahrerkabine saßen und die Beine über die Windschutzscheibe baumeln liessen, 3 Leute auf dem Gestell oberhalb der Ladefläche lagen und der Rest, so um die 10 Leute, auf der Ladefläche saßen. Selten hatte ich eine lustiger Fahrt als mit dem Surfinstruktor und dem Hausmeister von Magnific Rock auf der Plane des Pickups: Super Bueno Nica Power!

Nica Power: Playa del Gigange an der Pazifikküste

Am nächsten Tag zogen Sandra, Natasha und ich weiter nach Playa del Gigante, weil wir den Strand und den Platten dort so gut in Erinnerung behalten hatten (trotz Reifenwechsels). Der Holländer und die Kiwi setzen uns dort ab, so dass wir nicht den Chicken Bus nehmen mussten.

Es folgten ein paar wunderbar ruhige Tage, die wir mit lesen, surfen, Fische beobachten, spazierengehen und solchen Dingen verbrachten. Aufregend war im Grunde nur, als es so sehr regnete, dass der Schlafsaal überschwemmt wurde und als die Australierinnen mir ein Board liehen und mich zum surfen mitnahmen. Was sie vorher nicht erklärt hatten (sie wussten aber, dass ich nicht wirklich surfen kann) war, dass man von der Klippe im rechten Augenblick mit dem Board in die Wellen springen muss und dann so schnell wie irgend möglich von der Klippe  weg paddeln muss. Habe ich auch geschafft und fühle mich jetzt quasi wie ein Profi. Surfen danach hat leider weniger gut geklappt. Muss noch ein wenig üben…

Der Abschied von der Pazifikküste gestaltete sich ähnlich wie die Anfahrt: Wir stellten fest, dass es entweder einen Bus morgens um 6 Uhr gäbe, oder man trampt zur Hauptstraße und wartet dort auf einen Bus, oder man läuft die 6 km und wartet dann trotzdem auf den Bus, oder aber man trampt sofort und fährt auf einem Pickup mit. Dafür haben wir uns auch entschieden und wir erwischten den gefühlten (und tatsächlichen) einzigen Wagen aus dem Ort und wurden sogar bis kostenlos bis in die nächste Stadt mitgenommen. Super Bueno Nica Power also!

Insgesamt war die Zeit an der Pazifikküste von Nicaragua mit eine der schönsten und unterhaltsamsten Dinge auf dieser Reise bisher. Nicht nur, dass ich endlich mal Natasha wiedergesehen habe, sondern auch die Landschaft, das Meer, die Leute und das Essen waren wunderbar. Jeder, der gerne surft, sollte sich überlegen, hierher zu kommen.

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