Milford Sound und Kayak fahren: eine unglaubliche Kombo

Kayak fahren auf dem Milforsound ist bombastisch und atemberaubend! Kate, die Hut Warden der Mintaro Hut auf dem Milford Track, beschrieb es als:

„Milford Sound and its mountains are like the cathedrals of Europe!“

und ich konnte ihr im Stillen nur Recht geben. Kannte ich die glatten und bis in die Wolken reichenden Klippen und Felsabstürze rund um den Fjord von meinen beiden vorherigen Besuchen am Milford Sound. Dieses Mal war ich lediglich zu Fuß unterwegs zu diesem wunderbaren und großartigen Ort. Plan war es nicht auf eines der Ausflugsboote zu steigen, sondern den riesigen Fjord per Kajak zu erkunden.

Der atemberaubende Milford Sound
Der atemberaubende Milford Sound

Milford Sound gestern und heute

Die letzten Male kam ich mit dem Mietwagen oder unserem gekauften Nissan Vanette (ein tolles Auto). Diese Mal hingegen war ich wandern und erreichte den Milford Sound am Sandfly Point, den Zielpunkt des Milford Tracks. Von dort schippert einen ein kleiner Kutter hinüber nach Freshwater Basin, dem Hafen in Milford Sound.

An diesem Terminal kommen auch die Tourbusse an und großen Ausflugsschiffe für die Rundfahrten liegen bereit. Wir schoben uns verschwitzt und dreckig durch die vielen Malayen, Chinesen, Koreaner, Japaner und Taiwanesen. Ich war erstaunt, wie sehr sich das Publikum seit 2005 geändert hat. Das ist wohl ein klarer Indikator für den wachsenden Wohlstand und das Selbstverständnis in den fernöstlichen Staaten.

Vor dem Terminal warteten wir auf eine Gelegenheit kostenlos zur Milford Lodge zu kommen, einem Backpacker / Camping Platz / Hotel. Neben diesem Hostel, einem normalen Hotel und einem Café gibt es hier am Sound nicht viel. Aber das ist schon deutlich mehr, als es noch vor ein paar Jahren gab. Kurz darauf hatten wir auch Glück und wurden direkt vor der Tür abgesetzt.

Abby und ich hatten unsere Ausrüstung (Zelt, Kocher, Proviant, etc.), die wir nicht für den Milford Track benötigt hatten, aber für den Routburn Track brauchen würden, einfach von Te Anau per Bus vorausgeschickt und in die Milford Lodge liefern lassen (das geht bspw. mit TrackNet). Plan war es, für zwei Nächte in der Milford Lodge zu blieben und den freien Tag für eine ausgiebige Kajak-Tour durch den Milford Sound hinaus zur Tasman-See zu nutzen. Am Folgetag würden wir den Bus nach Te Anau nehmen, auf halber Strecke bei „The Divide“ aussteigen und dem Routburn Track 3 Tage lang auf die andere Seite der Berge folgen.

Nachts hatten wir im Zelt Besuch von einem frechen und vorlauten Possum, welches starkes Interesse an unserem Proviant hatte. Da ich aber persönlich ebenfalls starkes Interesse an meinem Proviant habe und ungern mit Possums teile, musste ich es etwas unsanft verjagen. Außerdem gibt es immer Unmengen von Sandflies. Das sieht dann so aus, oder wie der Clip zeigt, den ich auf Youtube dazu gefunden habe und es gut wiedergibt.

Die Stiche spürt man zwar nicht so sehr, dafür juckt es aber für Tage und manchmal Wochen. Die Moskitos auf Roatan waren nette Zeitgenossen dagegen. Deet hilft immer, verändert aber wahrscheinlich nachhaltig dein Erbgut. Bester Schutz gegen Sandflies ist meiner Meinung nach ein langärmeliges Shirt, ein dichter Bart (nur bei Männern. Sorry, Ladies!) und die absolute  Willenskraft Stiche zu ignorieren. Und bloß nicht kratzen! Sonst bricht die Hölle erst recht los.

Morning Glory auf dem Milford Sound

Die Kayak Tour mit dem etwas zweifelhaften Namen Morning Glory startete morgens um halb sieben. Noch ein wenig steif vom Milford Track brachte uns der Guide nach Milford Village, einer kleinen Parallelwelt, in der das ganze Personal von Milford Sound lebt. Die Guides und Milford Village erinnerte mich stark an die Compounds in Saudi Arabien (nur in deutlich schönerer Umgebung).

Bei den Kayaks wurden wir erst einmal ausgerüstet: Thermounterwäsche (geringelt), Flies (grün & stinkend), Spritzschutz (gelb) und Schwimmweste (unbequem). Dazu Paddel und zwei Personen pro Kajak. Aufgrund meiner zweifelhaften Qualifikation durfte ich hinten sitzen und lenken.

Während der Einweisung passte natürlich niemand auf, weil direkt 5 Meter vor uns ein Seehund damit beschäftigt war mit einem Fisch zu spielen, den er gerade gefangen hatte. Eine große Raubmöwe versuchten dabei dem jungen Seehund den Fang zu stibitzen.

Neben Abby und mir in einem Kayak war da noch ein Paar aus Südkorea und eines aus Schottland. Jenny saß beim Guide im Boot. Kaum auf dem Wasser klassifizierte der Guide alle Doppelkayaks anhand dessen wie gut die Pärchen beim Paddeln synchronisieren. Abby und mir wurde eine Beziehung von rund 7 Jahren attestiert, was uns vor Lachen fast zum kentern brachte. Dafür, dass wir uns erst im Jahr zuvor in Guatemala beim Wandern getroffen hatten und uns nur auf Reisen treffen, harmonieren wir aber offenbar ganz gut.

Um Kentern und die nassen Fluten zukünftig zu verhindern, bildeten wir alle zuerst ein Floß, indem alle vier Kajaks nebeneinander gelegt wurden. Sollte jemand kentern oder sonst was schlimmes passieren, ist das die sicherste Methode um sich gegenseitig zu helfen und um wieder ins Kayak klettern zu können.

Währenddessen ging die Sonne hinter den Klippen auf, warf ihre Strahlen in die feuchte Luft über den Bowen Falls und am Horizont lockten die Stirling Falls. Aufgrund der Entfernung und Erdkrümmung sieht man das Wasser nicht aufschlagen (links neben Abby Kopf auf einem der Bilder oben). Das gibt eine Idee davon, wie groß der Fjord ist.

Auf zu den Seehunden

Erster Zwischenstop auf unseren 15 Kilometern bis zur Tasman See waren ein paar Felsen, auf denen die Seehunde hausen. Da die Felswände des Milford Sound so steil sind und sich bis tief unter Wasser fortsetzen, gibt es nur wenige Stellen, an denen man, dafür aber sehr sicher, auf die Seehunde trifft. Für Delphine und Pinguine muss man einfach Glück und ein gutes Auge haben. Haie trifft man im Milford Sound hingegen wegen des vielen Süßwasser, welches sich an der Wasseroberfläche sammelt, eher selten.

Seehunde stinken bestialisch und ziehen riesige Mengen Sandflies an. Nur um das mal gesagt zu haben. Und vor Sandflies kann man in einem Kayak auch nicht weglaufen. Ansonsten sind diese jungen männlichen Seehunde lustige Kerle. Sie bellen sich gegenseitig an, weil jeder ganz oben auf dem höchsten Felsblock sitzen will und planschen kurzweilig im Wasser. Wenn man mit genug Geschwindigkeit vorbei paddelt, springen sie neben dem Kajak aus dem Wasser, so wie man das von Delphinen am Bug eines Bootes kennt.

Großer Vorteil der kleinen Kajaks ist, dass man viel dichter an die Felsen fahren kann als die großen Touristenschiffe. Die Seehunde scheint das nicht zu stören. Hoffe ich zumindest mal. Bin eigentlich nicht so der Fan davon den Tieren so auf die Pelle zu rücken, wie das bei Delfinen, Walen und Walhaien gemacht wird. Muss halt jeder für sich selbst entscheiden, ob er die Tiere nervt, nur um ein „ach so unvergessliches Erlebnis“ zu erleben.

Die Sterling Falls im Milford Sound

Das nächste Highlight waren die Sterling Falls, zu denen wir von den Seehunden aus weiter paddelten. Die Sterling Falls sind stolze 151 Meter hoch und stürzen sich direkt von der Klippe in den Milford Sound. Zum Vergleich: die Niagara Falls sind gerade mal 51 Meter hoch…

Die Sterling Falls - 151 Meter hoch
Die Sterling Falls – 151 Meter hoch

Vor dem Wasserfall angekommen, packte jeder seine Kamera ein, schloss alle Luken und paddelte an der überhängenden Wand entlang direkt auf den Wasserfall zu. Der Luftschub und die Strömung, die das herabstürzende Wasser auf der Wasseroberfläche verursachen, treiben  das Kayak von selbst wieder vom Wasserfall weg. Währenddessen lehnt man sich so weit zurück wie irgend möglich und starrt in die herabstürzende Kaskade. Die Klippe hängt über, so dass man einen unvergleichlichen Blick nach oben hat und die einzelnen Wassertropfen herabstürzen sieht. Einfach toll!

Richtet man sich wieder auf, sieht man auf der gegenüber liegenden Seite des Fjords zwei weitere Wasserfälle, die angesichts der Entfernung und der Höhe der Berge wieder winzig erscheinen. Der kleinere der beiden Wasserfälle ist übrigens wieder rund 50 Meter hoch, also so hoch wie die Niagara Falls.

Blick auf die Südseite des Fjords. Beide Wasserfälle sind höher als die Niagara-Falls
Blick auf die Südseite des Fjords. Beide Wasserfälle sind höher als die Niagara-Falls

 

Bis zu Tasman See

Von hieraus geht es mehr oder minder direkt hinaus zur Tasman See.  Zwischendurch rasten wir kurz an einem Kieselstrand. Einem der wenigen Plätze im Fjord, an dem es überhaupt möglich ist die Kayaks anzulanden. Dankbarerweise gab es nur kleine Wellen, so dass wir nicht direkt auf den Strand geworfen wurde. Trotzdem gar nicht so einfach das Kayak gerade und ohne Crash auf den Kies zu setzen. Lange verbleiben wir aber nicht am Strand, denn die Sandflies und das Rendezvous mit dem Wassertaxi trieben uns zurück aufs Wasser.

Milford Sound von seiner besten Seite
Milford Sound von seiner besten Seite

Während wir entlang der Felswände paddelten, die sich zum Ozean hin öffnen, hielten wir nach Pinguinen Ausschau. Wir entdeckten die Frackträger schließlich im Wasser schwimmend. Die Pinguine hier sind relativ klein und werden Fjordland Crested Pinguins genannt. Rund um ihre Augen sind sie mit langen, gelben Federn geschmückt und sonst ganz in schwarz-weiß, außer einem roten Schnabel. Scheinbar ist das eine andere Art als die Gesellen, die man an der Ostküste der Insel, in Oamaru, findet. Auf jeden Fall sind sie sehr selten und schwimmen gerne mal zwischen Neuseeland und Tasmanien hin und her. Fotos klappten leider nicht. Dafür tauchten die Pinguine einfach zu schnell ab und meine leidgeprüfte kleine rote Kamera hat einfach keinen Zoom, der das von Weitem schaffte.

Da unsere Kayaktour hier draussen wo der Milford Sound auf die die Tasmansee trifft endete und uns das Wassertaxi abholte, sprangen ein paar von uns noch kurz in die See, um eine Runde zu schwimmen. Musste bei der Gelegenheit feststellen, dass Gewässer in denen Pinguine herum schwimmen recht kühl sein können. Die Schnappatmung setzte flott ein und wir waren alle wieder froh, als das Taxi uns in Windeseile den Fjord hinauf zum Hafen zurück brachte.

Insgesamt eine wunderschöne Tour, die jede Fahrt mit den Ausflugsbooten in den Schatten stellt. Den verbleibenden Nachmittag verbrachten wir mit Vorbereitungen auf den Routburn Track, Schlafen und ein paar Bier. Insgesamt als ein erstklassiger Tag, den man besser wohl kaum verbringen kann…

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