Lust auf Leben / Lust for Life

Mein Leben der letzten Monate lässt sich in etwa wie der Anfangsmonolog von Trainspotting verstehen, nur dass ich das Wort „Heroin“ durch „Saudi Arabia“ austausche:

„Choose life. Choose a job. Choose a career. Choose a family. Choose a fucking big television, Choose washing machines, cars, compact disc players, and electrical tin openers. Choose good health, low cholesterol and dental insurance. Choose fixed- interest mortgage repayments. Choose a starter home. Choose your friends. Choose leisure wear and matching luggage. Choose a three piece suite on hire purchase in a range of fucking fabrics. Choose DIY and wondering who you are on a Sunday morning. Choose sitting on that couch watching mind-numbing sprit- crushing game shows, stuffing fucking junk food into your mouth. Choose rotting away at the end of it all, pishing you last in a miserable home, nothing more than an embarrassment to the selfish, fucked-up brats you have spawned to replace yourself. Choose your future. Choose life… But why would I want to do a thing like that?“

I chose not to choose life: I chose something else. And the reasons? 
There are no reasons. 
Who needs reasons when you’ve got Saudi Arabia?

So sah es das letzte halbe Jahr in Saudi Arabien aus und eines Tages habe ich mich nach reifer Überlegung dann doch fürs wahre Leben entschieden. Deshalb habe ich Saudi den Rücken gekehrt.

Abschied vom Leben in Saudi und Dammam

Leider hat sich diese Entscheidung sehr schnell und auch für mich unerwartet vollzogen. Anfangs wollte ich nur für ein paar Tage ausreisen, um mein Visum erneuern zu lassen und einfach mal raus zu kommen. Je mehr Tage ich aber daheim verbrachte, desto mehr habe ich überlegt, ob Saudi der richtige Schritt für mich ist. Letztendlich habe ich mich entschlossen, das halbe Jahr Saudi Arabien als Projekt und Test zu sehen und es dabei zu belassen. Ich sehe meine persönliche Zukunft nicht dort.

Trotzdem gehe ich mit Wehmut, denn Saudi hat mir sehr gut gefallen und auch die Leute, die ich getroffen habe, mag ich sehr. Insbesondere Geoff und Jim will ich meinen Dank aussprechen, denn ohne die beiden wäre das Leben oftmals sehr trist gewesen. Ohne die beiden wäre ich nicht zu den Partys der Marines eingeladen worden, hätte nie auf der Dachterrasse über den Lichtern Dammams gegrillt und bei weitem nicht so viele Erfahrungen und Probleme austauschen können. Wer Lust hat, kann hier den Blog von Geoff verfolgen.

In Saudi gibt es auch eine Menge Dinge und Situationen, die nicht so der Renner sind, aber es ist und bleibt immer interessant und spannend. Deshalb hat Saudi mich verändert, denn man muss ständig auf der Hut sein und sich an das andere Leben dort anpassen:

Ich habe bspw. festgestellt, dass ich nochmals deutlich geduldiger geworden bin. Warten am Zoll? Riesige Schlange an der Supermarktkasse? Alle genervt? Ich nicht mehr. It’s saudi!

Chaotisches Autofahren? Waghalsige Wendemanöver? Hupkonzert bei jeder Fahrbewegung? Ich breche nicht mehr in Schweiß aus. Wird sich schon alles regeln. Und ansonsten: Inshallah!

Was kommt nach Saudi?

Natürlich endet mein Blog nicht hier, obwohl manche Freunde mir das im Spaß vorgeworfen haben. Ich habe einfach die Überschrift angepasst und mir eine neue nette Aufgabe für die kommenden Wochen gesucht. Weil mein Zimmer daheim noch untervermietet ist und ich nicht für Wochen auf dem Sofa im Wohnzimmer leben wollte, habe ich die Einladung einer Freundin wahrgenommen und mich in den nächsten Flieger nach Cancun gesetzt (erst mal ohne Rückflugticket). Von dort eine kleine Bootstour zur Isla Mujeres gemacht und mich müde in ein Hochbett im Hostel Poc Nah gelegt. Die Einreise hat fast genauso lange gedauert wie in Saudi… Isla Mujeres liegt vor der Küste Mexikos genau hier:

Größere Kartenansicht
Am nächsten Tag eröffnete sich mir dann dieses Bild:

 

Palmenhain auf Isla Mujeres
Palmenhain auf Isla Mujeres hinter dem Hostel

Fand ich im Vergleich hierzu ganz gut:

Sanddüne zwischen Riad und Dammam
Sanddüne zwischen Riad und Dammam

In dem netten Palmenhain habe ich mich für ein paar Tage in den Hängematten gelegt, bin ab und an in der warmen karibischen See schwimmen gegangen und habe morgens im Cafe an meinen Lebenslauf gearbeitet (die Realität holt einen ja doch irgendwann mal wieder ein). Abends habe ich mich ausgiebig mit den anderen Backpackern unterhalten. Viele starten von Cancun oder kommen aus Guatemala, um von Cancun heim zu fliegen. Da ist es einfach ein paar Tipps zu bekommen. Erstaunlicherweise sind viele der Backpacker gar nicht so jung wie ich es erwartet hatte. Das mag aber auch an der Region liegen. So ganz ungefährlich ist es in Guatemala und Honduras wegen der Bandenkriminalität und dem Drogenhandel nicht. Aber sollte schon passen.

Isla Mujeres ist nicht übel, aber einfach zu nah an Cancun. Jeden Tag karren die Fähren Busladungen voller Tagesausflügler aus den Bettenburgen auf die Insel. Die wollen verständlicherweise auch nicht nur in Cancun bleiben. Denn Cancun ist ehrlich gesagt mal hässlich wie die Nacht. Deshalb sind wir nach 3 Tagen Eingewöhnungsphase mit dem Bus weiter nach Tulum, kurzum, ins Paradies…

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