Inneneinrichtung (1)

Großer Tag heute! Wir konnten endlich am neuen Büro weiterarbeiten. Seit Wochen warten wir schon darauf, endlich ins neue Büro umziehen zu können. Das ist besonders für mich super wichtig und entspannend, weil ich derzeit an einen halben Schreibtisch mit einem Kinderstuhl vor arbeite. Der mag für ein paar kleine Inder und so (nicht bös gemeint, aber gegen einige bin ich hier ein echter Hüne) reichen. Aber nicht für mich. Noch dazu kann ich die Füße nicht unter den Schreibtisch packen, weil da mehrere alte Computer stehen. Aber anders geht es derzeit nicht und es ist ja auch nur vorübergehend und praktisch, da direkt neben dem Hotel.

Alternativ könnte ich auch am Schminktisch in meinem Hotel arbeiten. Aber dann hätte ich nur mein Handy und würde vor Einsamkeit sterben. Zudem müsste ich die ganze Zeit aufrecht sitzen, weil der Hocker vor dem Schminktisch ja keine Lehne hat. Schwierig…

Jedenfalls konnten wir heute den Teppich kaufen und verlegen lassen, denn die Wände sind fertig gestrichen und die Bürotür hat jetzt auch ein Schloss. Mr. A. hatte bereits in den letzten Tagen in Khobar, das bildet mit Jubail und Dammam zusammen die Großstadt hier, einen Teppich angeschaut. Danach fehlen nur noch die Möbel, der Router, Telefone, Türschilder und ein paar andere Kleinigkeiten.

Ab ins Auto und erst mal schön zur Rushour im Verkehr stecken bleiben. Auf der Autobahn war mal wieder ein Unfall, woraufhin sich dann eine lange Schlange auf 3 Spuren bildet. Aber man gewöhnt sich dran. Vor dem Teppichladen habe ich dann erst mal mich selbst fotografiert, weil grade die Sonne schien und ich warten musste. Angenehm warm war es heute. Nach den letzten Tagen voller Wind und Regen (!) war das wirklich sehr gut. Ich bin überrascht, dass es doch so kühl sein kann. Aber ich fürchte schon ein wenig den Sommer, weil alle jetzt schon Späße  über mich und den Sommer machen.

Den Teppich haben wir übrigens nicht bei Ikea, sondern beim Inder gekauft, wie alles hier. Fängt beides mit I an und ist beides qualitativ sicherlich dasselbe. Ikea ist übrigens aber auch ein Blogeintrag wert. Die schwarz verschleierten Frauen in der Markthalle wirkten irgendwie ganz anders als man das vom schwedischen Möbelhaus gewohnt ist. Jedenfalls war auch der Teppichladen geschmacklich anders als wir das von daheim kennen. Ehrlich: Ich will so manche Wohnung wirklich nicht von innen kennenlernen, nachdem ich die Teppichböden hier gesehen habe…

Einer meiner Favoriten fand sich gleich gegenüber des Schreibtischs des Verkäufers. Ein schöner grau-beiger Teppich mit neckischem Blumenmuster. Aber das war noch nicht alles. Weiter im Hintergrund sieht man weitere Schönheiten. Eine neben der anderen. Hoch gewachsen und schlank…

Kaum biegt man um die Ecke, sieht man weitere Klassiker der Moderne. Ich unterlasse weitere Kommentare, weil ich hier auch niemandem auf die Füße treten will. Aber in meine Wohnung/mein Haus kommt mir so was nicht. Die mit den Kreisen drauf wären vermutlich manchmal schon wieder schick. So ein wenig in Richtung der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ist vielleicht heute in Deutschland wieder modern? Mir kommt grade auch, dass das auch gut zu gewissen Musikrichtungen passt. Ich kann es nicht richtig benennen, aber die 90er Jahre wären auch ein guter Tummelplatz für solches Design, will ich meinen.

Spielteppiche, wie man im Vordergrund sehen kann, gibt es übrigens überall auf der Welt und schein eine beliebte Sache zu sein, in einem Land mit einer Geburtenrate, die uns in Deutschland jegliche Rentendiskussion ersparen würde.

Letztendlich haben wir uns dann für unseren grauen Büroteppich entschieden. Also weniger ich, als vielmehr Mr. A., aber er zahlt ja auch und wie wir alle wissen: „Wer schreibt, der bleibt.“ Büroteppiche sehen überall auf der Welt gleich aus und deshalb gab es auch keine große Diskussion. Obwohl ich immer um meine Meinung gefragt werden.

Dann kam eine Aktion wie beim Bäume fällen: Der Händler hat irgendwas auf Urdu gerufen und zeitgleich die 4 Meter-Rolle Teppich umgeworfen. Da ich schon mal beim Holzfällen war, kannte ich das und konnte noch zur Seite springen. Man muss echt ein wenig aufpassen in diesem Land. Der Teppich kam dann auf den offenen Lastwagen und los ging es zurück in den Stau. Praktischerweise gab es jetzt in der anderen Richtung auch einen Unfall, was wieder in längerem Warten für uns endete. Schön ist hier übrigens, dass man alles offen auf der Ladefläche transportieren kann. Es regnet, außer wie gestern, quasi nie. Deshalb wird einem auch nie so wirklich langweilig, weil man immer beobachten kann, was alles transportiert wird. Ziegen, Kamele, Koffer, Soldaten, Kinder, Arbeiter, Rohre, Stahlträger, Wassertanks, einfach alles, was eine Gesellschaft so braucht.

Im Büro angekommen ist mir erst mal wieder aufgefallen, wie groß 130 qm doch sind. Wenn ich überlege, dass unser Büro so groß ist wie zwei Münchner Wohnungen zusammen und da mindestens 4 Personen drinnen leben würden, dann hätte es eine Nummer kleiner auch gereicht. Aber von einer kleinen Box bei Amazon in ein 130 qm Büro ist auch eine ordentliche Entwicklung. Und wenn alles gut geht, dann brauchen wir den Platz eventuell ja auch mal für weitere Angestellte. Mal sehen was kommt.

Die Teppichleute sind raus um den Teppich und das Werkzeug zu holen und ich habe ein wenig nachgearbeitet: Besenrein heißt das bei uns, hier ist das anders. Staubig sowieso, aber die Schrauben und Nägel habe ich dann schon schnell aufgesammelt, bevor einfach der Teppich drüber gelegt wird. Mr. A. gibt mir dann, wenn ich irgend so was mache, immer den dezenten Hinweis, dass das schon jemand für uns macht. Mit einem gewissen Status lässt man von manche Dinge einfach die Finger. Beispielsweise hole ich mir nicht selbst einen Tee im Büro, sondern sage dem Teaboy, dass ich einen haben will. Der entschuldigt sich dann, weil er noch kurz fertig kopieren soll und mir dann erst einen Tee bereiten kann und schon habe ich ein schlechtes Gewissen. Aber auch daran gewöhne ich mich nach und nach. Genauso verhält es sich mit Schrauben aufsammeln. Ist für mich ein wenig schwierig, weil ich ja gerne ein wenig rum hantiere, der Bayer würde sagen „gschafftel“.

Die Teppichleger haben dann in einem Eiltempo den Teppich ausgelegt, zusammengelegt und Kleber auf den Boden gegossen. Während der Stunde Arbeit habe ich wichtig daneben gestanden und begutachtet. Insgeheim habe ich daran gedacht, wie lange Maurice und ich fürs Teppich verlegen in meinem alten Zimmer gebraucht haben und wie schwer der Teppich war. Nebenbei durfte ich dann entscheiden und in Zeichensprache vermitteln (mein Urdu ist noch nicht so dolle), ob der Teppich auch in der Küche verlegt werden soll oder sogar auch auf den Toiletten…Mr. A. war grade beim Hausverwalter. Also fiel mir dies wichtige Aufgabe zu. Wie gesagt. Man wundert sich manchmal schon.

Ganz hinten rechts werde ich mein kleines Reich einrichten. Die angedeutete Tür links führt übrigens in einen Kabelschacht mit direkter Verbindung nach draußen. Letztes Mal brütete noch eine Taube dort ihre beiden Küken aus. Heute waren nur noch 3 Küchenschaben anzutreffen. Muss mich noch um ein Schloss für diese Tür kümmern. Sonst kann jeder mit Zugang zum Gebäude in unser Büro einsteigen. Insgesamt sind Mr. A. und ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Der Teppich sieht für die örtlichen Verhältnisse außerordentlich professionell aus und sollte gut zu den Stühlen passen. Bei den Tischen, die heute Nacht aus Riyadh geliefert werden sollen, bin ich mir noch nicht so sicher. Aber das sehe ich übermorgen, wenn ich aus Bahrain zurück bin und die Möbel aufbauen darf. Und gekauft sind sie auch schon. Ich bin gespannt…

 

 

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