Fußball schauen und spazieren gehen in Dammam

Ich laufe jetzt täglich vom Büro aus nach Hause und sehe dabei beim Fußball zu. Habe das als neues Hobby, bzw. eine neue Aufgabe, auserkoren, damit ich mich ein wenig mehr bewege und mehr zu sehen bekomme:

Klingt nicht so spannend, ist aber eine  willkommene Abwechslung im alltäglichen Trott. Der Heimweg bringt etwas Unterhaltung in mein Leben und verschafft mir neue Eindrücke. Denn so viel Unterhaltung gibt es ja sonst auch nicht. Normalerweise werde ich von Mr. A. morgens vorne an der Kreuzung eingesammelt und fahre dann mit ihm ins Büro. Das ist mit dem Auto nicht weit. 5-10 Minuten, je nach dem wie der Verkehr ist. Im Grunde nur die King Khaled Street runter und kurz einmal abgebogen.

Wenn ich tagsüber keinen Kunden besuche, dann sitze ich im Grunde vor meinem Computer und Telefon. Oder hole mir maximal mein Mittagessen beim Bäcker oder Supermarkt. Das macht natürlich auch nicht grade beweglicher. Natürlich sagen dann einige: „Geh doch joggen, oder ins Fitnessstudio im Hotel!“ Aber leider joggt es sich bei 35 Grad nicht so wirklich gut und zweitens hat mein Hotel kein Fitnessstudio. Also mache ich es wie Kant und gehe spazieren. Nur philosophiere ich danach nicht und schreibe auch kein Buch, sondern nur ab und an einen Eintrag im Blog.

Beim spazieren schneller zu gehen wäre eine dumme Idee. Denn wegen der Hitze würde ich völlig verschwitzt ankommen und ich hätte weniger Zeit zum rum schauen. Außerdem werde ich beim rum schlendern erstaunlich fröhlich und seit Tagen pfeife ich diesen Song vor mir her, den mir FM4 erfolgreich in mein Ohr gesetzt hat. Echt nicht schlecht dieses Spazieren und pfeifen. Es hellt meine doch manchmal dunklen Gemütszustände deutlich auf:

 

Das Video scheint in Deutschland nicht zu laufen. Deshalb hier eine Alternative und wenn die nicht geht, einfach fröhlich pfeifen: http://www.tape.tv/musikvideos/Peter-Bjorn-and-John/Young-Folks

 

Der Metzger am Eck – ohne die Grobe, Fette –

Unterwegs gibt es dann ausreichend zu beobachten. Zum Beispiel komme ich immer wieder bei einem Metzger vorbei. Da schaut es doch ein wenig anders aus als bei einem deutschen Metzger. Anstelle seine schönsten Waren im Schaufenster zu zeigen, werden meist zwei halbe Hammel ausgestellt. Ohne Kopf und traurige Augen. Vielleicht ist das auch das Verständnis von einer leckeren Auslage.

 

Fußball ist König, auch in Saudi Arabien

Um nach Hause zu laufen, muss ich quasi diagonal durch das Schachbrettmuster der Straßen. Das gibt mir ne Menge Optionen und neue Wege. Nur über eine große, sandige Fläche muss ich immer. Das lässt sich nur über Umwege vermeiden. Auf dieser Fläche mitten in der Stadt parken immer ne Unmenge Autos, LKWs und Busse und dazwischen wird Fußball und Cricket gespielt (wer Lust hat die Regeln für Cricket zu lernen, der frage bitte nicht mich, sondern wählt den Link aus).

Die Saudis scheinen Fußball zu lieben, die Inder, Pakistanis und Bangladeschs vergöttern Cricket. Diese Liebe zum Fußball ist natürlich super, weil ich mich mittlerweile auch gerne an den Spielfeldrand des Fußballfelds halt mache und ein wenig zuschaue. Bisher spricht noch niemand mit mir und ich werde eher argwöhnisch beäugt. Aber die gewöhnen sich schon an mich. Vielleicht laden sie mich ja auf ihre Ehrentribüne aus Sitzmatten ein. Mal sehen.

Gespielt wird auf einem kleinen, sandigen Spielfeld mit Elf gegen Elf. Dann muss man wahrscheinlich nicht so viel rennen. Das ganze Spiel ist eher erratisch, weil der Boden so uneben ist und genaue Pässe nur selten zulässt. Also spielt man lieber Kick&Rush. Das scheint sowieso die normale Taktik im lokalen Fußball zu sein. Generell liegen Welten zwischen Fußball hier in der Gegend und europäischem Fußball.

 

Messi, Torres und generell Fußball aus Spanien

Sehr interessant sind die Trikots der Spieler. Jeder trägt das Trikot seines Lieblingsspielers. Ich konnte bisher nicht erkennen, ob alle mit Barca-Trikot gegen den Rest spielen oder wie das genau funktioniert. Besonders angetan sind die Saudis offenbar von Lionel Messi. Auf jedem Feld gibt es mindestens fünf Trikots mit dem Namen Messi drauf. Auch sehr beliebt sind Torres, Pirlo und Ibrahimovic. Generell eher die spanische oder die englische Liga.

Deutsche Namen suchte ich vergeblich, bis der FC Bayern ins Finale der Champions League eingezogen ist. Offenbar hat das dafür gesorgt, dass sich der Fokus verschiebt und der FC Bayern auch in der Fremde wahrgenommen wird. Die älteren Spieler auf dem Sandfeld haben die Trikots noch nicht gewechselt und angepasst.

Aber vor der Rayan Moschee spielen oftmals die kleineren Jungs mit Tennisbällen Fußball. Und die tragen bereits die Trikots des FC Bayern. Vielleicht zieht sich durch das Finale ja eine neue Generation von Fans des FC Bayerns im Fußball begeisterten Saudi Arabien heran? Schön ist es auf jeden Fall, ein paar vertraute Namen auf dem Heimweg zu lesen. Auch wenn sich der Fußball dazu weniger schön anschauen lässt. Aber viel besser könnte ich es wahrscheinlich auch nicht…

Hier noch ein paar Eindrücke von meinem täglichen Spaziergang: 

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