Flucht aus Cancun: Isla Mujeres, Holbox und rosa Flamingos

Um mehr über Isla Mujeres, Holbox und rosa Flamingos (jaja, Flamingos sind immer rot, ich weiß!) zu erzählen, muss ich kurz ein paar Ereignisse zur Vorgeschichte erzählen: Nachdem ich Guatemala verlassen habe und nach Mexiko eingereist bin, habe ich einen Tag in San Cristobal de las Casas verbracht.

Das ist eine alte Kolonialstadt in den Bergen Chiapas. Sehr schön, aufgeräumt, hergerichtet und mir selbst zu nett und brav. Zu viele Menschen, Autos und sogar Weihnachtsdekoration in manchen Geschäften. Kein Vergleich zu dem Entwicklungsland aus dem ich grade kam. Am nächsten Tag nahm ich einen Nachtbus von San Cristobal De Las Casas nach Cancun. Dort sollte ich pünktlich am 6. November ankommen, um sie mittags vom Flughafen abzuholen. Die genaue Route und die Leiden einer 18-stündigen Busfahrt lässt sich hier in meinen vorletzten, etwas vorschnellen Artikel einsehen.

Isla Mujeres – erster Versuch einer Flucht aus Cancun

Emily am Flughafen abzuholen war kein Problem, aber ein Spektakel. Während ich am Ausgang auf meinem Rucksack sitzend wartete, strömten Unmengen von Touristen aus dem Flughafen. Man sollte annehmen, die wären froh im Urlaub zu sein…weit gefehlt! Lieber streiten sich Ehepaare über die Anzahl der Gepäckstücke, Teenager mit den Müttern über den Fehlenden Transport zum Hotel und müde Kinder über Elektrogeräte. „Saudumm!“, denke ich mir und beobachte es mit Amusement. Nach einer Weile verließ auch  Emily die Ankunftshalle und war weniger belustigt, sondern eher genervt von den Touristen. Sie hatte den ganzen Vormittag mit denen im Flieger aus Houston gesessen.

Nichts wie rein in den Bus zum Busterminal in Cancun, von dort ein Taxi zur Fähre und nach einer kurzen Überfahrt standen wir wieder auf Isla Mujeres. Hier war ich am Anfang meines Trips vor 4 Monaten zum letzten Mal gewesen. Da ich mich schon auskannte, war das Hostel Poc Na schnell erreicht.

Im Palmenhain zwischen Hostel und Meer verbrachten wir den Nachmittag und Abend, um all das zu erzählen, was in den letzten 9 Monaten alles passiert war. Außerdem brachte mir Emily meine sehnlichst erwarteten neuen Rainbows mit. Meine alten waren nach diversen Reisen und Jahren dann doch ein wenig abgetragen. Aber sie haben mir gute Dienste geleistet. Außerdem gab es einen dringend benötigten Haarschnitt.

Am nächsten Tag kamen noch zwei weitere Freunde von Emily an und ich ging mit zwei Italienern, einem Portugiesen und einer Holländerin schnorcheln. Erstaunlicherweise waren die Fische größer als in Belize oder Honduras. Entweder wird hier nicht gefischt, oder es gibt weniger Raubfische. Außerdem haben wir uns ein Golfcart geliehen und ich habe die Bande über die Insel kutschiert. War nicht so groß, wie ich es erwartet hatte.

Isla Holbox: Flucht aus Cancun Part II

So nett es auf Isla Mujeres auch ist…es war mir schlicht zu voll und zu touristisch. Jedenfalls für meinen derzeitigen Zustand. Aus den Bergen Guatemalas kommend, erlitt ich schon in San Cristobal de las Casas einen kleinen Kulturschock. Hier auf Mujeres war es dann auch nicht viel besser. Also beschloss ich direkt weiter nach Holbox zu fahren. Sandra und ein paar Freunde hatte mir bereits von Holbox erzählt, so dass ich ein wenig über die Insel wusste. Holbox, gesprochen „Holbosch“, liegt vor der Nordküste von Quinta Roo, dem Bundesstaat in dem sich auch Cancun befindet.


Größere Kartenansicht

Die Anreise ist nicht so schwer, wie es auf der Karte vielleicht erscheinen mag. Man nimmt morgens um 6 Uhr die Fähre von Isla Mujeres zum Festland, ein Taxi oder Bus zum Busbahnhof. Am besten nicht die Taxis direkt an der Fähre nehmen, sondern die vorne an der Straße. Dann zahlt man nur 30 anstatt 60 Pesos. Oder man nimmt gleich den Bus. Vom Busterminal fährt dreimal täglich ein Bus nach Ciquilá. Dort nach 3-4 Stunden angekommen, wartet bereits die Fähre nach Holbox auf einen.

Isla Holbox – Einsam, schön und Reich an Moskitos

Holbox ist ein sehr ruhiger Ort. Keinen echten Supermarkt, einige Restaurants, ein paar wenige, weit verstreute Hotels, ein langer und wilder Strand, sowie eine super Herberge, das Tribu Hostel. Kann ich nur jedem wärmstens empfehlen! Die Moskitos jetzt weniger. Aber man sagte mir, es seien bereits deutlich weniger als sonst.

Getan habe ich erstmal gar nichts, sondern mich in eine der Hängematten geworfen und gelesen. Das war es auch, was ich gesucht hatte. Eine Hängematte, kein Lärm und ein gutes Buch. Außerdem habe ich den Ort ein wenig erkundet, den Strand besucht und abends ein paar Mückenstiche eingesammelt. Außerdem kam abends Sandra nach Holbox. Wir hatten uns vor einem Monat in Puerto Viejo in Costa Rica getrennt. Während ich über Guatemala nach Mexiko zurückgekehrt war, hatte sie einige Zeit in Kuba verbracht. Am Tag zuvor war sie ebenfalls in Cancun angekommen und ebenfalls auf der Flucht aus der Stadt.

Den folgenden Morgen nutzten wir um die Erlebnisse des vergangenen Monats zu erzählen und in einem französisch geführten Cafe das beste Salamisandwich seit mindestens 4 Monaten zu essen. Wahrscheinlich sogar seit eher 9 Monaten, denn richtige Salami habe ich schon länger nicht mehr gesehen, schon gar nicht in Saudi Arabien.

Die Tage zuvor war es, verglichen mit heute, sehr windig gewesen. Leider war deshalb auch das Meer nicht so karibisch wie erhofft, sondern eher rau und kühl. Trotzdem war es warm genug für eine Runde Strand und Sonne. Das dachten sich auch die Pelikane und Kormorane auf den Pfosten im flachen Wasser und leisteten uns Gesellschaft.

Am Nachmittag versuchten wir das Highlight von Isla Holbox zu erleben, die Flamingos. Dazu fährt man am besten auf dem Strand und dem einzigen Sandweg nach Osten entlang der Nordseite der Insel. Wenn man Glück hat, kann man die Flamingos in rauen Mengen auf einer Sandbank rund 100 Meter vor der Küste entdecken. Wenn man noch mehr Glück hat, bekommt man auch ein paar Krokodile zu sehen, aber auch meine Fähigkeiten im Erspähen von Tieren brachte an diesem Tag keinen Erfolg mit den Krokodilen.

Immerhin fand ich den Panzer eines dieser Panzerfische. Leider weiß ich nicht, wie man die nennt. Sollte es einer der Leser wissen, wäre ich sehr dankbar für einen Kommentar unter meinem Artikel. Neben dem Panzerfisch sahen wir Reiher, einen Seeadler und Möwen, die ich während der ganzen Reise fast nie zu Gesicht bekommen habe. Offenbar ist es Möwen in der Karibik zu warm…

Nach einer Weile radeln entdeckten wir schließlich doch noch ein paar Flamingos, die edel und stolz im flachen Wasser nach Krustentieren suchten und ihr Abendessen genossen.

Abgeschlossen wurde der Tag durch einen herrlichen Sonnenuntergang über dem Golf von Mexiko, den wir gemütlich vom Strand aus beobachten konnten.Sonnenuntergang von Holbox aus gesehen

An diesem Abend hieß es dann schon wieder Abschied nehmen, denn unsere Wege sollten sich wieder trennen. Beide würden erneut alleine weiterreisen. Am folgenden Morgens um 6 Uhr saß ich bereits wieder am Anleger in Holbox und wartete auf die erste Fähre, die mich zum Festland zurückbringen würde, während Sandra erst am folgenden Tag nach Mexiko City aufbrechen würde.

„Adios Isla Holbox! Du warst wirklich eine Flucht in den Sonnenuntergang wert!“

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