Flag Day, Ausflug zu Aramco und Lehrstunde Patriotismus

Gestern war ich zum Flag Day der American Legion bei China Post 1 im Aramco Compound eingeladen. Klingt interessant und kryptisch, war es auch. Das gab mir ein paar Einblicke in die Seele der Amerikaner und in das Leben im Compound.

Ich hatte auf einer Feier bei den Marines im US-Konsulat Dan kennen gelernt und er lud mich und Geoff ein, zum Flag Day in den Aramco Compound zu kommen. Geoff wollte natürlich gehen, weil er selbst Marine war und ich dachte, dass es bestimmt interessant werden würde und ich eh mal zu Aramco wollte. Flag Day ist genau das, wonach es sich anhört. Die Flagge wird geehrt. Kling für unsere Ohren ein wenig merkwürdig.

 

Sicherheit bei Saudi Aramco

Die Feier fand im Saudi Aramco Compound statt. Saudi Aramco ist der staatliche Ölkonzern und die Zentrale liegt in der Nähe von Al-Khobar und Dammam. Ein wenig in der Wüste, weg von der Küste.

Ohne Saudi Aramco wäre in Saudi-Arabien nichts los. Darauf kann man es im Grunde runter brechen. Der Konzern ist für den ganzen Reichtum verantwortlich und wird dementsprechend geschützt. Das merkte ich schon in der Einladung. Man muss genau den Anweisungen folgen, die in der Einladungsmail beschrieben wurden und zwei Sicherheitsschleusen passieren, die aussehen wie die Grenzen zum ehemaligen Ostblock. Ohne Einladung geht es nicht. Dazu ruft der Wächter am Gate denjenigen an, der dich eingeladen hat und nur wenn er einwilligt, kommt man rein.

So streng wie alle taten, war es dann aber doch nicht, als ich am Schalter stand: Ich gebe meinen Pass ab, der Wächter schaut rein, runzelt die Stirn und fragt mich nach meiner Nationalität…ein kurzer Blick in meinen Pass vielleicht? Na ja…Dann das Telefonat, mit dem uns Einlass gewährt wird. Wir bekommen einen Zettel, auf dem unsere Daten stehen  und mussten ihn am Tor nochmals präsentieren. Mein Name war ihnen offenbar aber zu kompliziert und deswegen heiße ich jetzt „bad deutsch“.Einlassschreiben zum Camp

Das hat dann auf der Party natürlich zu großer Erheiterung geführt und wird wohl mein Name bleiben. Klasse Sache. Immerhin kennt mich dann jeder und das ist auch ganz gut in dieser Umgebung. Alleine sein will man hier eh nicht.

 

Flag Day Celebration

Die Veranstaltung fand bei Matthias statt. In seinem Garten war wie für eine Hochzeit geschmückt. Weiße Tischdecken, richtiges Geschirr, usw. Es gab Huhn, Rind, Spinat und Kartoffelsalat. Ein netter Kontrast zum normalen Abendessen.

Vor dem Essen kam der offizielle Teil. China Post 1 ist der internationale Ableger der American Legion. Gibt es quasi überall in der Welt, wo US-Veteranen sind. Der Verein sammelt Geld für verwundete Soldaten und Hinterbliebene, kümmert sich um die Wiedereingliederung und betreibt Lobby-Arbeit für die verschiedenen Arme der US-Armee: Begonnen wurde mit der Ehrung eines Mitgliedes. Er verlässt Saudi Aramco und Saudi-Arabien und scheidet deshalb aus China Post 1 aus. Zurück in den Staaten wird er Teil der nationalen Gruppierung sein. Wie die heißt, weiß ich nicht mehr. Als zweiter Schritt kam die Benennung der Verantwortlichen und die Lesung der Satzung und so weiter. Hätte auch ein Ableger des heimischen Schützenvereins sein können. Läuft ähnlich ab. Danach kam die Nationalhymne. Alle stehen auf, inklusive der Verbündeten (also ich als Deutscher sowie die Kiwis und Aussis) und abschließend eine Rede. In der ging es darum, wie wichtig die Flagge für „little Hunter“ sei,  dessen Vater im Irak für Freiheit und eine bessere Welt ums Leben kam…kann man so und so sehen. Ich habe ich ruhig verhalten und es mit Interesse beobachtet. Wirkt für mich ein wenig „merkwürdig“ und einigen der Amis war das durchaus bewusst. Sie haben mich später drauf angesprochen, aber ohne irgendwelchen missionarischen Anspruch oder so. Sie waren schlicht daran interessiert, wie ich es wahrnehme.

Was im Laufe der Zeremonie wirklich deutlich wurde, war wie wichtig das alles für die Amis ist und welchen Stolz sie aus ihrer Flagge schöpfen. Nachdenklich hat mich der Teil gestimmt, als der Redner für die Anwesenheit der Repräsentanten der alliierten Nationen (als ich beispielsweise) dankte. Dabei wird einem bewusst, was es bedeutet Teil einer Allianz wie der NATO zu sein. Da kann ich mich wirklich glücklich schätzen, dass die Amerikaner letztlich eine schützende Hand über Europa halten und ich selbst in Saudi-Arabien davon profitiere und zum Essen eingeladen werde. Wir daheim hingegen zeigen oftmals wenig Dankbarkeit für die Anwesenheit der Amerikaner, wie mir scheint. Aber da mögen einige Leute auch anderer Meinung sein. Ihr könnt eure Meinung gerne in der Kommentarfunktion hinterlassen. Interessiert mich sehr, was ihr darüber denkt.

Jedenfalls wurde ich äußerst freundlich bei China Post 1 und im Compound von Saudi-Aramco aufgenommen und mit Geschichten aus der Dienstzeit in Deutschland überhäuft.

 

Aramco ist nicht der Ort, wo ich leben will

Um zu der Party zu kommen, mussten wir, weil wir alle drei kein Auto haben, vom Tor aus zu Fuß laufen. Das ist kein Problem, da der Compound auch eine Siedlung in den USA sein könnte. Läge rund um L.A. oder in Arizona. Nette kleine Häuser aus Holz, Palmen, Wüstenpflanzen und bewässerte Vorgärten. Der Gehweg ist gepflegt und die wenigen Autos fahren sehr langsam und vorsichtig. Wenn es zu einer Verletzung der Verkehrsregeln kommt und man erwischt wird, zahlt dein Gastgeber eine Strafe. Kein Spaß also. Man muss sich also benehmen…Totaler Kontrast zur Realität außerhalb des Zauns.

Diese Siedlungen wirken auf mich immer sehr düster, traurig und seelenlos. Ich kann mich nicht damit anfreunden. Alles ist ordentlich, sauber, ruhig. Es erweckt den Eindruck, dass man ja nichts falsch machen darf und das sowieso auch niemand will. „Je größer das Idyll, desto tiefer der Abgrund“ sage ich mir da immer. Lustigerweise ging es Geoff und Jim ähnlich. So richtig scheint es uns nicht hierher oder generell in Compounds zu ziehen. Dann doch lieber die Straßen und Siedlungen Dammams. Da ist wenigstens immer was geboten.

Aber wie so oft steckt hinter den Fassaden des Aramco Compounds ein anderes Leben und wir haben uns köstlich amüsiert. Ne Menge lustiger, interessanter, kaputter und merkwürdiger Gestalten. Diese Bekanntschaften und Feststellungen bewegen mich zu ein paar vorläufigen Lehren, die ich aus diesem Abend gezogen habe.

  1. In solche Compounds ziehe ich nicht. Ein zu kleines Ghetto, in dem jeder alles über jeden weiß.
  2. Auf keinen Fall bleibe ich so lange in diesem Land, bis ich so werde wie manche hier. Das ist erschreckend und stößt mich ab (genaues erläutere ich gerne direkt, wenn es jemanden interessiert).
  3. Einladungen in den Aramco Compound sind super! Ne Menge Spaß und helfen mir ungemein die Zeit besser  zu ertragen.

 

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