Finale der Champions League 2012 und die komische Oper „der Barbier von Dammam“

Seit nun mehr als vier Monaten bin ich Dammam und habe die schöne Stadt an der Isar gegen die staubige Stadt am Arabischen Golf eingetauscht. Wem der Name des Golfes merkwürdig vorkommt, sollte unbedingt diesen kurzen Artikel in der SZ lesen. Daran lässt sich ablesen, wie tief der Konflikt zwischen dem Iran und Saudi Arabien geht.

Araber schauen in Dammam bei einem Fußballspiel zuLangsam, aber nur sehr langsam, bekomme ich ein besseres Gespür für die Stadt und vor allem die Menschen hier. Das liegt nicht daran, dass ich so viele Freundschaften schließe, sondern, dass ich mehr in der Nachbarschaft meines Hotels rumkomme und mehr zu Fuß, wie ich das im letzten Artikel übers spazieren gehen beschrieben hatte, unterwegs bin. Außerdem gewöhnen sich die Menschen nach und nach an mich. Das merke ich richtig. Anfangs schaut man mich verstohlen an, wenn ich durch die Nebenstraßen gehen. Wenn ich öfter vorbei komme, lächeln sie mich an und letztendlich grüßen sie dann auch. Und wenn ich dann richtig Glück habe, versuchen sie auch mit mir zu sprechen, oder ich mit ihnen. Das erfordert aber oft ein wenig Mut. So geschehen gestern, an diesem, aus Münchner Sicht, doch eher tragischen Abend. Aber vielleicht zaubert diese kurze Geschichte ein kleines Lächeln ins Gesicht des einen oder anderen. Ich musste im danach schon sehr schmunzeln.

 

Finale im Sheraton?

Nachdem ich die letzten Spiele immer nur über Webradio gehört hatte, habe ich gestern beschlossen mir einen Ort zu suchen, wo das Finale live übertragen wird. Da es keine Bars oder ähnliches gibt, habe ich mein Glück mit der Lobby des Sheratons versucht. Ich also kurz vor Anpfiff des Champions League Finale durch die Sicherheitskontrolle und scharf links ums Eck zum Fernseher, auf dem sonst immer Sport läuft. Schon auf dem ersten Blick in die Lobby war ich misstrauisch, weil so wenig Menschen da sind. Als ich den Fernseher sehen kann, wird mir auch klar warum: Es läuft Kricket. Wie spannend…

Wer Lust hat kann sich hier ein paar mitreissende Minuten gönnen:

Das Finale mal anders

Also nix wie zurück ins Hotel und das Finale wenigstens übers Radio hören zu können. Kurz vor meinem Hotel sehe ich in einem Laden das Champions League Finale durch die Fensterscheibe. Ein paar Araber sitzen auf Sofas und Ottomanen an den Wänden und schauen lustlos zu. Da fackel ich nicht lange (große Auswahl herrscht hier oft nicht) und gehe einfach in den Laden rein. Alle schauen mich an, ich zeige auf den Fernseher und frage auf Englisch, ob ich zuschauen könne. Versteht natürlich keiner, scheint auch niemanden zu interessieren, aber alle nicken. Also setze ich mich auf ein freies Sofa und schaue mich kurz um. Ich sitze in einem Friseursalon! Im Hinterzimmer arbeitet der Barbier von Dammam.

Ist ein komischer Ort um das Finale zu schauen. Aber aufstehen und gehen wäre auch affig. Also bleibe ich sitzen und schaue mit den Arabern Fußball. Der Kommentar ist natürlich auf Arabisch. Der Barbier fragt mich in quasi nicht existenten Englisch, ob ich zum Haarschneiden da bin. Ich verneine, obwohl ich das nötig hätte. Ein Neuankömmling übersetzt kurz, dass ich das Spiel sehen möchte und dass ich aus München bin. Alle schmunzeln und der Helfer vom Barbier bietet mir Kaffee und Tee an. Super Sache! Man versucht sogar den Kommentar für mich auf Englisch umzustellen klappt aber nicht, obwohl es 4 Leute probieren.

Nach und nach werden es immer mehr Besucher. Hier geht man offenbar später zum Friseur als bei uns. Haare schneiden um 11 Uhr ist normal. Nach und nach tauen die anderen Gäste auf und bombardieren ich mit den Namen von deutschen Fußballspielern. Schweinsteiger ist besonders schwierig auszusprechen. Wenn die Moslems wüssten, was der Name beinhaltet…

In der Halbzeit lasse ich mir dann doch schnell die Haare schneiden. Gut, dass ich bei meinem Haarschnitt keine Angst vor dem Friseur haben muss und das in einer Halbzeitpause schaffbar ist. Zum Anpfiff sitzen alle wieder pünktlich vor dem Fernseher und das finale Debakel nimmt seinen Lauf. Nach dem Gegentor fangen die Araber und Ägypter an auf schlechtem Englisch mir zur Liebe auf Chelsea zu schimpfen und zu fluchen. Dafür freuen sie sich umso mehr, wenn ich mich zu einer Emotion hinreissen lasse, die Arme empor strecke und ich ihnen erklären, was ein lang gezogenes „Mein Gott!“ bedeutet. Danach wollen sie wissen, ob ich Christ oder Moslem sei. Und ob Orthodox oder Katholik. Auf meine Antwort hin, dass ich Protestant sei, bekomme ich den Nordirlandkonflikt erklärt.

Nach Abpfiff machen sich alle auf den Weg nach Hause und ich darf offenbar den günstigen Einheimischenpreis fürs Haare schneiden zahlen. So günstig war es nicht mal mit Flo damals in Antalya. Auf dem Heimweg durch die schwül-heiße Nacht, es hat 36 Grad nachts um eins, bin ich froh, dass ich das Finale nicht in der klimatisierten Lobby im Sheraton gesehen habe, sondern in einem Friseursalon an der Hauptstraße. Das war deutlich lustiger und interessanter, als ich mir das vorher vorstellte. Wenn wir dann noch das Finale gewonnen hätten…dann wäre es wirklich gut gewesen.

 

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