Erste Eindrücke

(Achtung: Das ist eine Zusammenfassung der ersten beiden Wochen und deshalb ein wenig lang geraten. Ich bessere mich. Versprochen!)

Der Flug war problemlos. Mein Onkel hatte mir, vorausschauend, den Fensterplatz im Flugzeug überlassen, damit ich bereits aus der Luft einen Eindruck vom Nahen Osten bekommen konnte. Das hat sich auch gelohnt! Denn aus dem eisigen Deutschland kommend, haben wir die schneebedeckten Berge der Türkei und des Nordiraks bewundern können und später, es war bereits Nacht, lernte ich, warum das Zweistromland eine so große Bedeutung in der Kulturgeschichte der Menschheit hat: Die Maschine flog im Mondschein genau so, dass sich der Vollmond über weite Strecken in den unzähligen Flussarmen, Nebenflüssen, Kanälen und Teichen spiegelte und ich ihn sehen konnte. Das war wirklich spektakulär, weil sich die Vollmond manchmal komplett und scharf umrundet in den Seen und Flüssen spiegelte. Es wirkte fast wie ein Scheinwerfer, der auf die Erde gerichtet war. Schade, dass man das unten auf dem Boden meist nicht wirklich mitbekommt.

Auf dem kurzen Flug von Bahrain nach Dammam saß ich dann erneut genau richtig, um den langen und beleuchteten King Fahd Causeway vom Festland nach Bahrain beobachten konnte. Der Causeway ist eine Brücke, die Bahrain mit Saudi Arabien verbindet.

Die Einreise

In Dammam angekommen, wartete dann das erste kleine Problem auf uns. Die Einreise. Vor den Schaltern drängten sich Hunderte von Personen, die offenbar oftmals kein Arabisch sprachen, nicht wussten, wo sie sich anstellen sollten und manchmal den Vorgang offenbar auch nicht ganz verstanden (trifft alles auf mich zu). Nie in meinem Leben habe ich so viele Menschen aus so vielen unterschiedlichen Regionen und Ländern gesehen wie in der Einreisehalle. Europäer, Libanesen, Ägypter, Saudis, Belutschen, Pakistanis, Afghanen, Inder, Srilankaner,  Koreaner, Bangladeshi oder Philippinos waren. Alle waren da. Die halbe Welt wollte in dieses Land. Da wirkt die ganze Diskussion über Einwanderung, Integration, Multikulti, usw. daheim in Deutschland fast ein wenig blutarm.

Wir arbeiteten uns langsam bis zum Schalter vor. Dort wurde uns dann verständlich gemacht, dass wir in der falschen Reihe stünden und uns auf der anderen Seite der Halle neu anstellen müssten. Das haben wir dann natürlich auch gemacht. Man spasst mit Grenzbeamten generell ja besser nicht rum.Also standen wir in der nächsten Reihe und nichts passierte mehr. Gar nichts. Der Beamte vorne am Schalter ging einfach weg. Nur noch in unserer ursprünglichen Reihe ging es vorwärts und immer wieder kamen neue Flieger mit Einreisewilligen an. Nach einer Stunde warten wurde uns dann klar, dass schlicht die  Rechner für die Fingerabdrücke und die Digitalkameras für die Einreisefotos nicht funktionierten und deshalb nur diejenigen mit einem Igama, einer Arbeitserlaubnis, einreisen durften. Dafür war kein Fingerabruck oder Bild nötig.

Nach eineinhalb Stunden wurden wir dann aufgefordert im Gänsemarsch durch die Absperrung zu laufen. Vorbei an unserem wartenden Gepäck, die Treppe hoch und von hinten durch eine weitere Einreiseabsperrung. Vor den Schaltern mussten wir uns wieder aufstellen. Riesen Gedränge, weil natürlich jeder ganz vorne stehen wollte. Ergebnis war, dass ich nicht schnell genug schaltete und plötzlich neben der Schlange stand…und mich schon ganz hinten wieder sah. Der Grenzpolizist, der das alles kommandierte, schaute mich kurz an, gab mir und meinem Onkel mit dem Zeigefinger zu verstehen, dass wir uns vorne zu den anderen „wichtigen“ Personen stellen dürften. Das waren meist westlich gekleidete Libanesen, Syrer, Palästinenser oder eben wir. Alle vom Subkontinent oder mit dunklerer Hautfarbe mussten in der Reihe weiter hinten warten…Wahrscheinlich war das in Deutschland mit den Gastarbeitern früher leider auch nicht anders, nehme ich an. Und in den USA wurden so einige Einreisewillige aus dem arabischen Raum auch deutlich länger befragt als ich mit meinen blonden Haaren und blauen Augen.

Wieder länger warten und dann endlich einreisen! Wir haben kurz überschlagen wie lange das dauern würde: Einer Person konnte innerhalb von rund 3 Minuten einreisen. Hinter uns warteten geschätzt 100 Leute. Eher mehr. Das sind dann min. 300 Minuten, ergo 5 Stunden…Schon mal gemeckert, weil die U-Bahn wegen eines technischen Defekts 10 Minuten Verspätung hat? Draussen wartete dann der Partner meines Onkels. Er hatte ebenfalls den halben Abend am Flughafen verbracht und war ebenso wie wir froh, dass es jetzt endlich los ging.

Dieses Erlebnis also als Beispiel für Charlies Ratschlag und ich habe mich daran erinnert und in Geduld geübt. Gut, dass wir zusammen Schlepplift gefahren sind.

 

Hotel

Nun wohne ich im Hotel Moon. Einen schicken, sandfarbenen Betonbunker, der sich gut in die Umgebung einfügt.

Eine Perle des Orients
Praktisch und zeitlos in farblicher Abstimmung zur Umgebung.

Nicht das Oberoi, aber es hat alles, was ich brauche: Ein Bett, einen Sessel und Fernseher (ich liebe Kanal 2, auf dem immer die Kaaba zu sehen ist und die Pilger die sie umrunden. Das wirkt ziemlich beeindruckend). Einen Schminktisch, den ich mittlerweile zu Schreibtisch umfunktioniert habe, einen Kühlschrank der mich abends in den Schlaf brummt, wenn es nicht die Klimaanlage auf dem Balkon tut. Und ein Bad mit Dusche ohne Duschvorhang. Sollte ich mich irgendwann länger nicht mehr melden, liege ich im Bad, weil alles schwimmt und ich ausgerutscht bin. Inshallah!

Der Blick meines Zimmers geht rechts in den grünen Baum hinaus, was ganz schön ist. Nur die Teppiche und T-Shirts im Baum verwundern ein wenig. Na ja. Die Tauben und Straßenkatzen scheinen es jedenfalls zu mögen. Und besser als Straßenlärm auf der linken Seite des Hotels ist es sowieso. Das Hotelpersonal ist übrigens sehr nett. Verstehen mich kaum, ich sie auch nicht, aber irgendwie kommen wir schon immer zusammen.

Shiny and glamorous
Eine nette Auffahrt, in der immer der Kerl mit der roten Weste steht und mir ein freundliches "Salam" entgegen wirft.

Das Büro unseres Sponsors, ist direkt neben dem grauen Auto im Vordergrund (erstes Bild). Also sehr praktisch, weil ich die ersten Tage dort arbeiten werde. Den Eingangsbereich des Hotels kann man auf diesem Bild hier links hier bewundern.

Alles in allem also ordentlich, sauber und praktisch. Kein Luxus, aber sonst übernachte ich Hostels mit 30 anderen Leuten im Raum, Berghütten ohne Strom und fließend Wasser oder Zelte irgendwo in der Wildnis. Aber ich stelle auch fest, dass ich kein großer Liebhaber von Hotels bin. Auf Dauer suche ich mir eine andere, feste Bleibe.

 

Die erste Woche

Mein Onkel, sein Partner und ich haben die erste Woche genutzt, um die wichtigen Bestandskunden zu besuchen. Das ist hier äußerst wichtig, weil auf persönlichen Kontakt sehr viel mehr Wert gelegt wird, als bei uns. Hier ist es unvorstellbar, dass man 30 Kunden gleichzeitig betreut, ohne sie jemals zu Gesicht zu bekommen. Dementsprechend viel Zeit muss man auch für Gespräch und Small Talk aufwenden. Der Ablauf ist in etwa so: Man begrüßt sich, bedankt sich für die Zusammenarbeit und das Vertrauen, bekommt einen Tee, Wasser oder Kaffee angeboten und unterhält sich über allerlei. Dann spricht man über das Geschäft und geht, wenn alles problemlos ist, zu anderen Themen über. Zwischendrin ruft mal jemand an oder es kommt jemand rein um in paar Dinge unterschreiben zu lassen. Das ist völlig normal und in  Ordnung. Bei dieser Gelegenheit durfte ich dann auch bei einem echten Scheich auf dem Sofa sitzen und mich mit ihm unterhalten. Hatte ich mir vor einem halben Jahr auch nicht vorgestellt.

Alle Saudis die ich bisher getroffen habe, waren sehr interessierte und spannende Gesprächspartner. Sie sind meist sehr viel in der Welt unterwegs, sprechen zumindest gut bis sehr gut Englisch, kennen sich in Wirtschaft, Kultur und Politik aus und unterhalten sich auch mit uns darüber. Einer hat mir sogar die Geschichte über die Maus und die Lübecker Kirche erzählt. Wirklich spannend.

Außerdem haben wir das neue Büro angeschaut und mir die nötige Ausrüstung, also Computer, Handy und Drucker gekauft. Damit war die erste Woche, neben einem Tagestrip nach Riad auch schon um. In Riad haben wir ebenfalls Kunden besucht. Viel Zeit für Erkundungen war nicht. Beeindruckend war aber die lange Fahrt durch die Wüste. Aber dazu später mehr.

 

Dammam

Wohngebiet in der Nähe
Relativ moderne Gebäude. Hier mal mit großen Bilder, was eher ungewöhnlich ist.

Alle die gehofft haben, Dammam sei wie man sich eine Stadt im Orient vorstellt, muss ich leider enttäuschen. Mich selbst auch. Dammam ist jetzt nicht wirklich die Perle des Orients, sondern eine Industriestadt. Sie besteht im Grunde nur, weil nicht weit von hier das ganze Öl gefördert wird. So sitzt zum Beispiel Aramco, der große staatliche Ölkonzern, hier in Dammam.

Baustelle
Eine Baustelle in einem Wohngebiet. Es gibt öfter mal solcher Löcher in der Stadtlandschaft.

Ich habe links ein paar Eindrücke von der Stadt hochgeladen. Leider habe ich vorerst nur die Kamera meines Handys,  weshalb die Bilder nicht so großartig sind. Außerdem muss ich erst rausfinden, wie die Einwohner hier auf Fotografen zu sprechen sind. Auch deshalb sind es eher Schnappschüsse als gute Bilder. Aber sie vermitteln einen ersten Eindruck.

Die Wohngebiete sind meist sehr ruhig. Man sieht nur weniger Menschen auf der Straße und das Leben scheint sich eher in den Häusern abzuspielen. Kann man aber teilweise auch verstehen, wenn einem lang genug in der Sonne umhergewandert ist. Viele Häuser haben nur kleine Fenster, damit die Sonne nicht so rein scheinen kann.

Wohngebiet
Oftmals habend die einzelnen Häuser hohe Mauern. Manchmal noch mit Sichtschutz obendrauf.

Lustig an den Häusern ist, dass sie durchaus mal direkt zwischen einer Shopping Mall und  einer Ausfallstraße liegen können. Oder zwischen zwei Hochhäusern. Sehr schön war auch die Kombination von Fast-Food-Restaurant, Villa, Bankgebäude und Moschee. Ich glaube das kommt daher, dass hier alles noch im Aufbau und ständigen Wandel ist. Ehe man sich umschaut hat sich das Stadtbild wieder geändert. Seit einer Woche wird beispielsweise die Straße vor dem Hotel von drei auf vier Spuren erweitert und in ein paar Tagen wird man damit fertig sein. Dann hat sich die Stadt innerhalb meiner kurzen Anwesenheit schon wieder verwandelt. Ähnlich ist das mit Häusern.

Die übrige Stadt, so weit ich das bisher beurteilen kann, ist so ähnlich wie auf den Bildern. Aber bisher bin ich auch noch nicht so viel rum gekommen und war meistens in den Gewerbegebieten und Industrial Cities, die hier am laufenden Meter gebaut werden. Und zwar nicht so wie bei uns, sondern einfach mal direkt in die Wüste (man kann auch davon ausgehen, dass es keine Wutbürger und keine seltenen Pflanzen gibt). Hier kann man echt erleben, wie eine Nation aufgebaut und innerhalb kurzer Zeit zu einer Industrienation wird.

Kreisverkehr
Kreisverkehr mit riesigen Segeln. Nahe der Corniche.

Typisch für die Gegend zwischen meinem Hotel und der Waterfront sind große Straßen mit riesigen Kreisverkehren. Dieser hier links wurde mit gigantischen Segeln aus Beton oder Stahl verschönert. Weiter die Uferstraße entlang gibt es noch weitere solcher Roundabout mit anderen Skulpturen. Ich versuche mal eine Fotostrecke zu machen, wenn ich ein Auto habe und mobil bin.

Insgesamt muss ich sagen, gefällt mir die Stadt irgendwie ziemlich gut. Ein wenig chaotisch (zum Straßenverkehr schreibe ich einen extra Artikel), pulsierend und immer wieder interessant. Man muss nur den Blick um die nächste Ecke wagen…

 

 

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