Besuch im goldenen Käfig

Normalerweise kann mich leider niemand besuchen, weil es kein Besucher-Visum für dieses Land hier gibt. Es klappt aber trotzdem manchmal…

…denn dieser freundliche Sportsfreund ist zufällig Pilot und darf auch noch ab und an nach Dammam fliegen.

Das ist wahrscheinlich der größte Zufall überhaupt. Muss man sich mal vorstellen! Nachdem ich ihn einige Male in Antalya besucht habe und vereinzelt in München gesehen habe, treffen wir uns jetzt ab und an im hässlichen Dammam wieder. Manchmal läuft es schon echt merkwürdig…

Mir hat Flo’s erster Besuch zudem eine Besichtigungstour in einem weiteren Compound eingebracht und das ist für ja auch immer sehr interessant. Irgendwann muss auch ich mir eine feste Bleibe suchen und das Hotel verlassen. Außerdem gibt es mir die Gelegenheit ein wenig was zu unternehmen und generell neues zu entdecken.

Nachdem Flo und seine Crew donnerstagnacht in Dammam gelandet war, haben wir uns für Freitag im Euro Village verabredet. Ich kannte den Compound schon von außen (die Fabrik eines Kunden ist in der Nähe) und aus dem Internet, weil es einer der größten Ghettos hier in Al-Khobar und Dammam ist. Einen guten Preis fürs Taxi hatte ich bald ausgehandelt (langsam klappt das besser), fürchtete aber, dass es bei den Kontrollen am Eingang Probleme geben könnte. Man muss durch zwei Sicherheitsschleusen und braucht für manche Compounds wohl auch eine Einladung. Ich habe es irgendwie so geschafft. Man begutachtete zwar meinen Personalausweis und wusste nichts damit anzufangen, aber mein Aussehen reichte offenbar aus, um mich vertrauenerweckend erscheinen zu lassen.

Kurz drauf trafen Flo und ich uns in Dammam wieder. Es ist wirklich schön einen Freund zu Besuch zu haben. Insbesondere unter solchen Umständen. Während man es manchmal nicht einmal schafft sich in Deutschland zu treffen, laufen wir beide uns relativ regelmäßig im Nahen Osten über den Weg.

Erst mal haben wir mit der Crew ausreichend Lunch gehalten. Alle waren spät aufgestanden, da sie erst nachts um 2 Uhr im Compound angekommen waren. Ich habe mich erfolgreich um das Bezahlen drücken können, weil der Kassierer meinte, dass ein Kaffee auch so ginge und er nicht verstanden hatte, dass ich nicht zur Crew gehöre…natürlich hatte ich aber 2 volle Teller vom Buffet gegessen. Direkt im Anschluss haben wir es uns am Pool bequem gemacht.

Auch wenn der Wind noch ein wenig kühl war, ließ es sich in der Sonne und im Pool gut aushalten. Leider habe ich meine  Badehose in Deutschland liegen lassen (ist vielleicht angesichts des Aussehens der Badebüx auch besser so) und hier im Einkaufszentrum gab es keine zu kaufen. Daran sieht man mal wie wasserverbunden die Söhne der Wüste sind. Ich wette, nur ein Bruchteil der Leute hier können überhaupt schwimmen. Letztendlich habe ich mir mit meiner einzigen kurzen Hosen beholfen und es hat auch niemanden gestört. An so einen Pool mit Bahnen könnte ich mich übrigens gewöhnen. Dann würde ich jeden Morgen vor dem Arbeiten eine Runde meine Bahnen ziehen. Aber leider ist das nicht die Normalausstattung und schlägt sich natürlich auch im Preis für die Wohnungen nieder.

Gegen späteren Nachmittag wird es meistens kühl, sobald die Sonne nicht mehr so hoch am Himmel steht. Wir haben die Abendstunden aber trotzdem genutzt um ein wenig Sport zu machen. Neben einem Fußballplatz, einem Volleyballfeld und Basketball Court gibt es auch eine 500-Meter Bahn zum laufen, Squash-Hallen und Badminton-Felder. Sehr staubige Badminton-Felder übrigens. Das ist der typische „Grundstaub“ den ich an anderer Stelle schon erwähnte.

PrivateAir hat für die Crews einige Sportsachen im Compound hinterlegt. Damit haben Flo, Marlis und ich eine Runde Badminton gespielt. Das war ich mal überhaupt nicht mehr gewohnt und hatte deshalb am nächsten Tag einen ordentlichen Muskelkater.

Der Compound selbst ist eine Ansammlung von Bungalows und kleinen Cabins. Ganz nett und auch einigermaßen gepflegt. Man sieht aber, dass sich in diesem Compound offenbar hauptsächlich Alleinstehende aufhalten.

Tagsüber ist es ruhig und man es gibt kaum Autos. Kinder sieht man, verglichen mit dem Al-Zamil-Compound, eher weniger. Auch die Grünanlagen sind nicht so gut gepflegt und der Spielplatz sah jetzt auch nicht so spannend aus. Je nach dem in welcher Ecke der Anlage man sich aufhält sieht man die Arbeiter der verschiedenen internationalen Nationen. Zum Beispiel gibt es ein großes Ghetto im Ghetto wo die Chinesen von Beijing Constructions leben. Die spielen miteinander Badminton und Basketball. Die Jungs von Halliburton trifft man eher geballt am Buffet im Restaurant. Nur im Fitnessstudio mischen sich die Nationen. Manche scheinen die Langeweile mit Fressen zu vertreiben, während man anderen ansieht, dass sie außer Gewichte stemmen nicht viel anderes tun.

Abends sind wir alle, die Mädels brav in Abaya (so heißt da schwarze Schleiergewand für die Frauen. Ein paar modischere Exemplare gibt es hier zu begutachten), in ein Restaurant gegangen. Dort herrschte das Thema „Brasilien“ und die netten Inder und Filipinos hatten sich alles als Gauchos verkleidet. Solange man den rot-grünen Bauklotz auf die grüne Seite gestellt hatte, brachten sie ständig neues Fleisch. Das habe ich natürlich genutzt und mich fleißig durch Rind, Huhn, Strauß, noch mehr Huhn, Hirsch und Kamel gearbeitet. Kamel schmeckt übrigens eher merkwürdig. Sehr fasrig und stark mit Zimt gewürzt. Vielleicht ist es roh eher noch langweiliger?

Mir gibt dieser Ausflug jetzt ausreichend zu denken, weil ich noch nicht weiß, ob ich wirklich in so einen Compound ziehen möchte oder ob ich mir lieber eine günstige Wohnung irgendwo draussen suchen sollte. Während eine Wohnung mit Sicherheit günstiger ist und keine Mauer mit Stacheldraht drum herum und Maschinengewehr vor dem Eingang vorweisen kann, hat so ein Compound doch den Vorteil von vielen Expats, Sporteinrichtungen, einem  Pool und sogar einer Bücherei. Besonders gut müssen angeblich die Camps für die Mitarbeiter von Aramco ausgestattet sein. Aber das ist schlicht eine andere Liga. Mal sehen, ob ich so einen mal zu Gesicht bekomme. Was mich an diesen Ghettos auch stört, ist die Blase des Wohlstands und Besonderheit, die einen umgibt. Man muss ich um nichts mehr kümmern und es ist eigentlich auch egal ob draussen vor dem Lager Arabien oder der Kongo liegt. Man bekommt es nicht mit…

Neben diesen neuen Erlebnissen freut mich aber besonders, dass ich Flo getroffen und seine Crew kennen gelernt habe. Ab und an mal Europäer als Gesprächspartner zu haben ist echt klasse! Hoffe, ich treffe jetzt öfter mal die Crews und Flo muss öfter mal nach Dammam fliegen, auch wenn das hier mit Sicherheit nicht der spannendste Ort auf der Welt ist!

 

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