Auf die Zugspitze durchs Reintal

Auf die Zugspitze an einem Tag? Empfohlen werden vom DAV zwei Tage und so war es ursprünglich auch geplant. Aber nachdem alle Hütten im Reintal bereits ausgebucht waren (blauäugig von mir so spät buchen zu wollen), mussten wir uns doch für die Ein-Tag-Variante entscheiden. Und das, ich nehme es mal vorweg, klappt eigentlich problemlos, wenn man früh genug los geht, einigermaßen Kondition hat und das Wetter gut ist.

Der ursprüngliche Plan war es mit einer größeren Gruppe durch das Reintal, mit Übernachtung in der Reintalangerhütter oder auf der Knorrhütte, in zwei Tagen auf die Zugspitze aufzusteigen. und mit der Seilbahn oder Zahnradbahn wieder ins Tal zu fahren. Wie das mit größeren Gruppen, Planung im August und einem Berg wie die Zugspitze manchmal so ist, kam das aber leider nicht zustande.

Also beschlossen ein Freund und ich alleine auf die Zugspitze zu wandern. Dummerweise waren beide Hütten bereits belegt. Man könnte zwar einfach auftauchen und abends um einen Schlafplatz bitte, aber die feine englische Art ist das auch nicht, wie ich finde. Also haben wir lange sowie  gründlich recherchiert und überlegt, ob die Tour durchs Reintal auch an einem Tag zu schaffen wäre. Laut Internet, Kilometern und Höhenmetern schätzte ich ab, dass es zu schaffen sein müsste. Warnungen wegen der Weglänge, Höhenmeter, Schneefallhöhe, Wetter generell und Konstitution habe ich in Erwägung gezogen, mich dann aber doch fürs Ausprobieren entschlossen.

Hier also mein kleiner Bericht über die Tour auf die Zugspitze. Bitte unbedingt die eigene Leistungsfähigkeit und Bergerfahrung als Maßstab nehmen. Mein Bericht kann nur als zusätzliche Informationsquelle dienen. Nicht als Vorgabe, Garantie oder ähnliches. Es handelt sich hier immerhin um die Zugspitze, Deutschlands höchsten Berg und reihenweise hochalpine Berge rundherum!

Zugspitze: Vom Skistadion zur Partnachklamm

Wir starteten um 5:45 Uhr morgens am Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. Sehr viel später sollte man hier nicht losgehen. Sonst stößt man hinten raus eventuell auf das Problem, dass einem die letzte Seilbahn vor der Nase wegfährt.

Vom Skistadion führt der Weg durch ein noch verschlafenes kleines Tal zur Partnachklamm. Die Partnachklamm ist nachts geöffnet, so dass Wanderer ins Reintal aufsteigen können, ohne dass man die offiziellen Öffnungszeiten abwarten muss. Die Partnachklamm war wild-romantisch und völlig verlassen. Allerdings rate ich jedem eine Taschenlampe mitzubringen, denn in den Stollen über dem tosenden Bach ist es stockdunkel und man stößt sich sehr schnell sehr schmerzhaft den Kopf an. Hier eine Platzwunde geholt, beendet die Tour quasi schon auf den ersten Metern.

Von der Partnachklamm zur Reintalangerhütte

Nach der Partnachklamm führt eine Forststraße weiter durch die Hinterklamm und den Schachenwald ein gutes Stück das Tal hinauf. Jetzt gilt es Strecke zu machen, um später für den alpinen Bereich mehr Zeit zu haben. Der Weg bietet ansonsten, außer ein paar schöne Blicke auf die Bergwände, die durch die ersten Sonnenstrahlen rosarot leuchten (1a Alpenglühen), nicht viel außergewöhnliches (abgesehen von der Natur natürlich).

Alpenglühen am frühen Morgen
Alpenglühen am frühen Morgen

Irgendwann geht die Forststraße in einen gut ausgebauten Wanderweg über. Hier kann man wiederum Zeit gut machen und zügig am Abzweiger zum Schachenhaus und der Bockhütte vorbei Richtung Reintalangerhütte laufen. Dabei wandert man entlang der Partnach, die sich entweder als reissender Bergbach zeigt oder weiter oben gemächlich durch ein breites Tal mit Sand- und Kiesbänken schlängelt. Zeitweise erwartete ich Bären und Elche, weil das Tal ein wenig an Kanada oder Alaska erinnert (zumindest stelle  ich mir das so vor). Der Restschnee im Schatten der hohen und steilen Felswände tut sein übriges.

Kurz nach einem wunderschönen Wasserfall taucht hinter eine Wegbiegung die Reintalangerhütte auf und lädt zum ersten Kaffee des Tages ein.

Wir haben vom Skistadion zur Reintalangerhütter ziemlich genau 3 Stunden gebraucht und dort rund eine halbe Stunde Pause gemacht, um einen Kaffee zu trinken, das Kätzchen zu beobachten, den Schäfer mit seiner Herde vorbeiziehen zu sehen und es uns einfach gutgehen zu lassen. Bei Gelegenheit muss ich unbedingt nochmals für eine Nacht hierher zurückkehren. Zu schön liegt die Hütte über der Partnach.

Der Anstieg aufs Plateau der Zuspitze und zur Knorrhütte

Folgt man dem Pfad weiter zum Talende, wird es sehr schnell sehr steil. Über Serpentinen schlängelt der Pfad sich durch einen schmalen Felsriss hinauf zur Knorrhütte. Jetzt zahlt es sich aus, dass man sich vorher beeilt hat. Außerdem kommt langsam die Sonne hinter den Felswänden hervor, was den Aufstieg schnell zu einem schweißtreibenden Unterfangen macht.

Immer wenn man zurück blickt, sieht man welche Strecke man am frühen Morgen bereits zurückgelegt hat. Das Reintal mit der Partnach breitet sich vor einem aus und unten im Wald sieht man das Dach der schönen Reintalangerhütte.

Hier in den Felsen oberhalb der Partnach ist übrigens auch die Baumgrenze. Von nun an läuft man in der prallen Sonne. Genug Wasser und Sonnenschutz mitnehmen. Bis zum Gipfel gibt es im Grunde keinen Schatten mehr.

Hat man es über die Scharte aufs Plateau geschafft hat, erkennt man bereits die Skianlagen auf dem Gletscher, auch wenn vom Gletscher nicht mehr viel übrig ist. Außerdem lacht einen die Knorrhütte auf 2051 Meter an, die mitten in der öden Steinwüste an einem steilen Hang klebt. Ich hatte kein so großes Haus erwartet und auch der Schotte, den wir beim Aufstieg kennenlernten war sichtlich von der Größe der Hütte beeindruckt.

Die Knorrhütte am Hang
Die Knorrhütte am Hang

Die Knorrhütten erreichten wir gegen 11 Uhr vormittags, nachdem wir gegen 9:15 Uhr an der Reintalangerhütte losgegangen waren. Auf der Hütte machten wir wiederum eine halbe Stunde Pause, um uns kurz zu erholen. Ich aß eine Suppe, kaufte zwei Postkarten für die Nichten und holte mir pflichtbewusst  einen Sonnenbrand…

Man trifft hier übrigens bereits auf mehr Wanderer, die entweder von Ehrwald hinauf kommen, oder solche, die von der Zugspitze absteigen.

Übers Platt – die vorletzte Etappe zur Zugspitze

Von nun an geht es eher gemächlich über das Platt Richtung Sonn-Alpin. Der Höhenunterschied beträgt rund 500 Höhenmeter, der Weg ist bei gutem Wetter problemlos zu finden. Bei schlechter Sicht vermag man sich leicht mal verlaufen, weil kaum Orientierungspunkte in der kahlen Öde gegeben sind.

Die Sonn-Alpin-Hütte steht unterhalb des Gipfels der Zugspitze und ist auch Endhaltestelle der Zugspitz-Zahnradbahn, die einen bequem direkt aus Garmisch herauf transportieren kann. Von hier fährt auch eine Gondel die letzten 400 Höhenmeter zur Gipfelplattform der Zugspitze.

Neben dem Bahnhof schmiegt sich das Schneefernerhaus an die Wand der Zugspitze. Kommt man ausgepumpt an, wird einem schnell klar, was man im Schatten der Seilbahn noch leisten muss, bis man tatsächlich auf der Plattform der Zugspitze steht: Eine steile Geröllhalde, die in einen mit Drahtseilen gesicherten Felsengarten übergeht, bevor die letzten Meter auf dem Grat zur Plattform hinauf führen. Wir standen um 13:20 Uhr neben dem Schneefernerhaus und nahmen nach ein paar Minuten in die Landschaft schauen und verschnaufen die letzte Etappe in Angriff. Am Horizont war die Hohe Munde zu sehen, auf die ich vor knapp einen Monat gestiegen war.

Die Geröllhalde funktioniert ganz einfach: Zwei Schritte hoch, einen wieder runterrutschen, die nächsten zwei Schritte und so weiter bis man am Drahtseil ankommt. Gleichzeitig rutschen einem die ersten Bergsteiger entgegen, die über einen der Klettersteige von der anderen Seite aufgestiegen sind. Vorsicht ist also geboten.

Wer nicht trittsicher und schwindelfrei ist, sollte spätestens vor den Drahtseilen den Hang wieder hinabrutschen und die Gondel auf den Gipfel nehmen. Von nun an muss man sich phasenweise gut festhalten und schaut öfter mal den steilen Hang hinab. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ist also absolut nötig. Oben auf dem Grat angekommen bietet sich der schwindelerregende Blick über die Kante hinab auf den Eibsee. Nun ist es nur noch ein Katzensprung bis auf die Plattform der Zugspitze, die ich um 14:10 Uhr erreichte.

Auf der Zugspitze

Womit ich irgendwie nicht gerechnet hatte, waren die Menschenmassen auf dem Gipfel. Klar, wenn man kurz darüber nachdenkt, dass eine Seilbahn und eine Zahnradbahn hoch fahren und das Wetter recht gut war, dann ist das eigentlich logisch. Mich haben diese Horde an Touristen auf jeden Fall ein wenig gestört. Plötzlich ist es laut, eng und hektisch…nicht das was man von einem Gipfel eigentlich gewohnt ist.

Nachdem meine beiden Begleiter auch auf der Plattform angekommen waren, zog der Himmel auch sofort zu und wir saßen in weißen Wolken ohne Sicht. Deshalb entschieden wir uns zuerst auf den eigentlichen Gipfel zu klettern, was wiederum ein kleines Abenteuer ist. Man steigt von der Plattform über einen kleinen Sattel und eine Metallleiter auf den eigentlichen Gipfel und versucht einen ruhigen Moment neben dem güldenen Gipfelkreuz auf stolzen 2962 Metern zu ergattern. Gut möglich, dass es auch ein/zwei  Japaner oder Russen, ein Vater mit Kleinkind in der Kraxn, ein paar Hausfrauen mit Turnschuhen und Höhenangst sowie einige Bergsteiger vom Jubiläumsgrat rüber geschafft haben. Frage mich, ob hier viele Unfälle passieren. Bei der Menge an Amateuren…

War der Blick ins Tal leider durch das schlechte Wetter versperrt, wirkte immerhin die Gipfelplattform der  Zugspitze wie ein Ufo inmitten der weißen Wolkenpracht.

Nach dem offiziellen Ende der Tour gönnten wir uns noch ein Gipfelbier und was zu essen, bevor wir die Gondel um zum Sonn-Alpin nahmen und mit der letzten Zahnradbahn ins Tal fuhren.

Gedauert hat die Tour somit gute 8 Stunden, wobei wir mindestens eine gute Stunde Pause auf den Hütten gemacht haben. Laut der Aussage eines Bekannten der aus Garmisch kommt, schaffte sein Vater die Tour statt in 7-8 Stunden übrigens in 4,5…Luft nach oben verleibt also auf der Zugspitze auf jeden Fall noch.

 

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