Allerheiligen in Guatemala: Días de los Muertos in Todos Santos

Meine Reise geht langsam dem Ende entgegen. Leider. Aber so ganz lässt sich so was ja leider nicht vermeiden…Und ich freue mich ja auch auf alle daheim. Es wird langsam Zeit.

Mittlerweile habe ich es aus Quetzaltenango in Guatemala über San Cristobal de las Casas in Mexiko nach Cancun geschafft. Musste mich beeilen, um Emily abzuholen, mit der ich die letzen Tage hier verbringen werde. War ein ganz schön langer Ritt mit nur einer längeren Unterbrechung in San Cristobal. Erst mal reicht es mir mit Bus fahren für ein paar Tage. Und die Kontrollen durchs Militär und die Polizei mitten in der Nacht machen es nicht attraktiver.


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Días de los Muertos: Allerheiligen in Todos Santos

Zuvor habe ich aber das Highlight meiner Reise erlebt. Días de los Muertos in Todos Santos! Días de los Muertos ist unser Allerheiligen und wird in Todos Santos, aber auch in ganz Zentralamerika, ausgiebig und mitunter wild gefeiert. Todos Santos ist eine Gemeinde in den Cuchumatan-Bergen im Hochland von Guatemala. Wie man auf der Karte sehr gut sehen kann, gibt es dort nur wenige Straßen. Alles ein wenig abgelegen.
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Ursprünglich wollte ich mich einer Wanderung über sieben Tage anschließen, die in Todos Santos enden sollte. Leider wurde ich krank, danke hierfür, und konnte mich nur noch der kurzen Version über vier Tage anschließen. Aber immerhin habe ich es nach Todos Santos geschafft. Also doch ein großartiges Happyend für meine Zeit in Guatemala. An dieser Stelle nochmals ein dickes Dankeschön an diejenigen, die sich ein wenig um mich gekümmert haben, als es mir schlecht ging.

Der erste Tag war nur Anreise. Das bedeutet immer Chicken Bus. Und ich liebe Chicken Busses bekanntlich ja. Da gibt es einfach immer was zu sehen. Diesmal war es nicht nur ein Chicken Bus, sondern auch ein LKW, auf dessen Ladefläche wir ins Hochland fuhren. Klasse Sache. Fast so großartig wie auf einem Pickup. Die Aussicht war grandios und auch der Regen war kein Problem, weil wir einfach eine große Plane über den LKW gezogen haben.

Im Haus von Hyronimus Familie konnten wir die Nacht verbringen, bekamen ein warmes Abendessen und trafen die 7-Tages-Gruppe wieder. Die Nacht war bitter kalt, so dass jeder ständig aufwachte. Um 5 Uhr bin ich dann aufgestanden, weil ich eh schon wach war und wurde durch diesen wunderbaren Sonnenaufgang belohnt.

Die Wanderung über La Torre, dem höchsten nicht vulkanischen Punkt Zentralamerikas war nicht weiter wild, war aber wie im Märchenland. Erst ging es durch windzerzauste, schüttere Wälder steil bergauf, bis riesige Felsformationen mit Agaven oder so was dazwischen den Blick auf ein Hochplateau freigaben.

Von dort ging es durch Nebelwald dreimal so lange bergab. Ein Fest für jedes Kniegelenk. Erneut war ich sehr froh über meine Bergstiefel und dass ich sie die ganze Reise mit mir rumgetragen habe. Am Ende, kurz vor dem Highway stießen wir auf eine heilige Mayastätte. Dort machten wir Rast, bevor uns der LKW nach Todos Santos hinein brachte.

In Todos Santos begann der Wahnsinn. Der halbe Ort war bereits auf den Beinen und feierte bereits für den nächsten Tag. Das heißt, eine Menge betrunkener Mayas auf den Straßen und Plätzen. Dazwischen Buden mit allerlei Leckereien. Letztendlich ging aber jeder früh ins Bett, um für das Pferderennen fit zu sein.

Pferderennen, High-speed Riesenrad und noch mehr betrunkene in Todos Santos

Der nächste Tag lässt sich kaum mit Worten beschreiben. Ich versuche es trotzdem mal: Die Startaufstellung sind die Einheimischen in ihren Trachten. Männer tragen rot-weiß gestreifte Hosen und eine weiße Jacke mit breiten, bestickten Krägen und Ärmelaufschlägen. Die Frauen tragen verschiedene Kleider in ähnlichen Farben. Diese Trachten werden nicht nur an Feiertagen, sondern immer getragen. Sieht toll aus, wenn man die Männer und Frauen auf den Feldern sieht.

Hauptattraktion für den Tag ist ein Pferderennen ohne Gewinner. Das bedeutet, dass die Reiter, allesamt voll wie Strandhaubitzen, auf ihren Pferden rund 300 Meter die Straße hoch und runter galoppieren, dort unter Gejohle wenden und wieder zurück rasen. Unentwegt. Den ganzen Tag. Das beobachtet man vom Rand aus, geschützt durch eine dünne Holzplanke. Von Zeit zu Zeit stürzt ein Reiter, wird von den Pferden überrannt oder rechtzeitig von den Zuschauern aus der Bahn gezogen. Ernsthaft passiert ist niemandem was. Den letzten Toten gab es wohl 2005. Generell finden die Mayas einen Toten offenbar auch nicht so schlimm. Gemäß den Menschenopfern in ihrer Geschichte bedeutet ein Toter eine gute Ernte fürs nächste Jahr.

Highlight des Pferderennens ist am späten Nachmittag. Mittlerweile sind alle Reiter so richtig betrunken, müde und doch aufgeputscht und ebenso geht es den Pferden. Die sind schweißgebadetet und völlig erschöpft. Damit man aber das letzte bisschen aus den Pferden raus holen kann, schnappt man sich einen Hahn und galoppiert nochmals die Straße runter. Bei Bedarf nutzt man den lebenden Hahn als Peitsche!

Neben dem Pferderennen gibt es aber noch weitere Attraktionen in dem kleinen Ort. Neben Bier und Schnaps an jeder Ecke, kann man Riesenrad fahren. Das ist ungefähr 5 mal so schnell wie jenes auf der Wiesn und man hält sich besser mal fest. Da es aber ganz oben im Ort steht, hat man einen wunderbaren, wenn auch kurzen Ausblick auf die Berglandschaft. Ist ungefähr so, wie wenn man auf der Wiesn Achterbahn fährt und für einen kurzen Augenblick am höchsten Punkt einen Blick auf die Alpen erhaschen kann, bevor es abwärts geht.

Oder man frisst sich durch die unzähligen Stände am Straßenrand. Es gibt allerlei Spezialitäten, meist frittiert. Dabei habe ich die mit Abstand beste Soße für Reis und Huhn gegessen. Kann mich aber leider nicht an den Namen erinnern. Irgendwas mit P. Wenn es jemand weiß, bitte melden!

Der Abend wurde dann, gemäß dem Tage, noch fröhlicher, so dass man bald die ersten Schnapsleichen rumliegen sehen konnte. So ein Maya lässt sich beim Trinken nicht lumpen. Auch nicht anders als beim örtlichen Volksfest daheim.

1. November in Todos Santos

Irgendwann ist dann aber auch gut, denn am nächsten Tag steht ja der große Besuch am Friedhof an. Alle Familienmitglieder, sofern in der Lage, gehen zum Friedhof und gedenken der Toten. Dazu werden kleine Opfergaben am Grab niedergelegt, ein wenig gesungen und getanzt. Nebenbei schießt man mit selbstgebastelten Mörsern. Das ist ziemlich erschreckend, wenn man, wie ich, über den Friedhof schleicht und grade um die Ecke kommt.

Auffällig ist, wie viele Särge in den Farben der USA bemalt sind. Das macht deutlich wie wichtig die USA für die Einheimischen sind. In fast jeder Familie arbeitet jemand dort und hält mit seinen Geldsendungen eine ganze Großfamilie über Wasser. Einige Maya haben mich auf dem Friedhof angesprochen und wollten wissen, ob ich aus den USA sei. Deutschland ist dann aber noch besser, weil wir gute Fußballer haben. Automarken sind hier nicht wichtig, weil kaum jemand ein Auto besitzt, ganz zu schweigen von unseren Luxusmarken.

Nach dem Friedhofsbesuch sprangen wir alle ein einen komplett gemieteten Chicken Bus und fuhren zurück nach Xela. Ich saß ganz hinten auf dem Fußboden und habe die Landschaft langsam verschwinden sehen.

Das stimmte mich fast wehmütig, denn hier hat es mir wirklich sehr gut gefallen. Tolle, hohe Berge, eine Menge Kultur, freundliche Einheimische und viele nette Mitreisende haben die Zeit hier so großartig gemacht. Denke, ich habe mich in Guatemala verliebt. Mal sehen, ob ich es bald nochmal hierher schaffe…

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