Again: The Mountains are calling and I must go! Diesmal: Der Predigtstuhl

Mit dem Predigtstuhl/Bergen generell verhält es sich derzeit so: Zur Zeit sitze ich oft/öfters in einem Großraumbüro im fünften Stock über den Dächern von München (exakt: München hat eine eher mickrige Skyline) und beobachte die Berge im Föhn. Und jedes Mal überkommt mich das Bedürfnis direkt in die Berge zu fahren. Das sage ich dann meiner Chefin und beide haben das Verlangen alles stehen und liegen zu  lassen und zum Skifahren zu verschwinden. Bisher konnten wir uns aber am Riemen reißen und sind nicht Hals über Kopf aus dem Büro getürmt (liegt eher daran, dass sie Chefin ist und fest angestellt ist).

Plakat an der Predigtstuhlbahn über Bergsport in den 30er Jahren
Plakat an der Predigtstuhlbahn über Bergsport in den 30er Jahren
Werbeplakat für das Hotel auf dem Predigtstuhl
Werbeplakat für das Hotel auf dem Predigtstuhl

Zwischen den Jahren habe ich es aber dann doch mal geschafft. Wir (ohne Chefin, sondern mit anderen Freunden) sind, wie die letzten drei Jahre auch, auf eine kleine Hütte auf dem schroffen Predigtstuhl über Bad Reichenhall gefahren. Das Skigebiet dort droben, einst ein beliebtes Reiseziel inklusive einem erstklassigem Hotel, ist heute stillgelegt. Außer ein paar Spaziergängern, Tourengehern und Gämsen ist niemand zu finden. Nur die Plakate und Bilder der vergangen Jahrzehnte zeugen noch vom einstigen Ruhm und Glamour des früheren Berghotels und des Predigtstuhl-Skigebiet.

Mit der Predigtstuhlbahn auf den Predigtstuhl

Schön an dem Trip ist immer die Fahrt mit der ältesten funktionstüchtigen Großkabinenbahn der Welt. Das ist irgendwie schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass die Bahn seit 85 Jahren ohne Fehler läuft! Und umgekommen ist beim Bau auch niemand. Hört sich jetzt selbstverständlich an, war es angesichts der Steilwand, und den Jahren 1928/29 aber sicher nicht.

Kabine der Predigtstuhlbahn
Kabine der Predigtstuhlbahn
Talstation der Predigtstuhlbahn
Talstation der Predigtstuhlbahn
Altes Plakat über das Hotel auf dem Predigtstuhl
Altes Plakat über das Hotel auf dem Predigtstuhl

Die Bahn startet direkt aus Bad Reichenhall und endet im ehemaligen Hotel auf der Kante der Steilwand. Das Hotel wird derzeit nicht betrieben. Früher, in den 30er Jahren, war es ein exklusives Hotel, zwischendurch diente es zur Erholung. Nach dem Krieg ein exklusiver Erholungsort für GIs, die sich hier eine Skischule einrichteten. Und im Anschluss wieder ein Ausflugsziel für das Nachkriegsdeutschland. Diesmal nicht mehr so exklusiv. Wenn man dort oben ankommt, hat alles den Charme einer längst vergangenen Zeit. Alles also ein wenig nostalgisch.

Den Predigtstuhl hinab

Rucksack und Schneeschuhe warten auf den Einsatz
Rucksack und Schneeschuhe warten auf den Einsatz

Bisher sind wir immer mit der Bahn hinauf gefahren, haben Tourenski oder Schneeschuhe angeschnallt und sind die ehemalige Skipiste abgestiegen oder abgefahren. Vorletztes Jahr war so viel Schnee, dass man trotz Schneeschuhen immer wieder hüfttief in den losen Schnee einbrach. Dieses Jahr hingegen schien die Sonne und unter dem wenigen Schnee lag eine reine Eisschicht. Ein großer Spaß also, noch dazu, weil ich anfangs versuchte mit den roten Bob abzufahren. Hat nicht geklappt…Fühlte mich wie die bekannte Kuh auf dem Glatteis…

Teil der Ausrüstung für die kommenden Tage
Teil der Ausrüstung für die kommenden Tage

Anstrengend ist es aber natürlich immer, weil wir alles mitbringen müssen, was man für ein paar Tage so braucht: Essen, Getränke, Axt, Schlafsack, warme Kleidung, usw. Die Hütte ist keine Winterhütte. Also keine Heizung, kein fließend Wasser und keine Elektrizität. Dementsprechend kalt und rustikal ist es. Meist dauert es ein bis zwei Tage, bis es warm genug ist. Dieses Jahr ging es schon nach einem Tag beständigen heizen problemlos.

Auf dem Weg zu Hütte
Auf dem Weg zu Hütte
Schneeschuhe, Rucksack und Bob
Schneeschuhe, Rucksack und Bob
Beständige Aussicht während des Abstiegs
Beständige Aussicht während des Abstiegs

Die ersten, meist die mit Tourenski, schließen die Hütte auf, machen Feuer und legen die Quelle frei. Dieses Jahr hatten wir Glück und sie war nicht eingefroren. Sonst muss man Schnee tauen. Das blühte uns am dritten Tag dann auch, weil es über Nacht doch frischer geworden war.

Wenn wir mit Schneeschuhen dann auf der Alm ankommen, raucht meist schon eine liebliche Fahne aus dem Kamin. In den letzten Jahren war es immer bitter kalt und schneite, so dass die Hütte ein fast magischer Anziehungsort wurde und der Rauch Wärme und Gemütlichkeit signalisierte.

Unsere Hütte von der Piste aus gesehen. Der erste Rauch steigt auf.
Unsere Hütte von der Piste aus gesehen. Der erste Rauch steigt auf.
Ankunft an der Hütte. Erstmal die üblichen Arbeiten verrichten.
Ankunft an der Hütte. Erstmal die üblichen Arbeiten verrichten.
Hüttenleben
Hüttenleben

Danach warten tägliche Arbeiten wie Holzhacken, Essen vorbereiten, Schnee tauen/Wasser aus der Quelle holen, Karten spielen, wieder Schnee tauen/Wasser aus der Quelle holen, nochmals Holz hacken und lesen auf einen. Relative schnell hat man sich häuslich eingerichtet und räumt umeinand. Handys funktionieren in der Hütte nicht, Uhren legt man besser ab und Stress kommt nur auf, wenn das Essen auf dem Herd anbrennt. Ideal also.

Aufstieg zum nächsten Gipfel. Es ist warm!
Aufstieg zum nächsten Gipfel. Es ist warm!
Im Gänsemarsch auf den Gipfel
Im Gänsemarsch auf den Gipfel

Wenn das Wetter passt, geht man von der Hütte auf den Nachbargipfel. Dazu steigt man mit Tourenski oder Schneeschuhen einfach die zweite Piste hinauf bis man oben ist. Also ganz simpel. Dauert rund 1-2 Stunden, je nach Schneelage und Kondition. Von dort hat man einen weiten Blick über das Bad Reichenhall, Salzburg, die umliegenden Berge, Niederbayern und, wenn man Glück hat, sogar bis in den Bayrischen Wald. Zwischen den Bergen im Nordwesten lugt der Chiemsee durch. Viel weiter kann man von hier nicht mehr schauen. Ideale Bedingungen dieses Jahr also.

Neben dem Gipfelkreuz. Endlich oben.
Neben dem Gipfelkreuz. Endlich oben.

Hat man nur Schneeschuhe, nimmt man jetzt den Bob und fährt durch das Gestrüpp zur Schlegelalmmulde ab. Die liegt rund 100 Meter unter dem Gipfel und wartet mit einem Kaffee oder Bier auf einen. Außerdem warten eine Unmenge an Touristen, die belustigt die  chaotische Bobfahrt durch den Tiefschnee beobachten.

Die vier von der Tankstelle
Die vier von der Tankstelle
Roland beim Versuch mit Schneeschuhen in der Hand zu rodeln.
Roland beim Versuch mit Schneeschuhen in der Hand zu rodeln.

Die Hütte nahe der Bergbahn bildet quasi die Zwischenetappe. Von hier kann man den Gipfelrundweg entlanglaufen, bis man wieder vor der Bergbahn des Predigtstuhls steht. Von hier fährt man die Skipiste komplett bis zur eigenen Hütte hinab. Problem: Mit Bobs durch den Tiefschnee, die Schneeschuhe irgendwie in der Hand, ist meist nicht so einfach. Man fährt sich ständig fest, gräbt sich im Tiefschnee ein oder wirbelt so viel Schnee auf, dass man wie ein Schneemann aussieht. Am Ende ist es so anstrengend, dass man danach froh ist, sich wieder am Kamin aufzuwärmen.

Abschied vom Predigtstuhl

Will man die Hütte am Predigtstuhl verlassen, und das wollten wir am dritten Tag, wird ein anstrengend. Alles Heruntergetragene, inklusive dem Müll, den man nicht ohne schlechte Gewissen verbrennen kann, muss in die Rucksäcke verpackt werden und in mühsamer Arbeit zur Bergbahn hinauf getragen werden. Das ist immer anstrengend und schweißtreibend. Dieses Mal wegen des guten Wetters aber eher ein optischer Rausch.

Die Piste hinauf, der Bergbahn entgegen. Der Rucksack ist schwer.
Die Piste hinauf, der Bergbahn entgegen. Der Rucksack ist schwer.
Aber schön ist es und Spaß macht es auch
Aber schön ist es und Spaß macht es auch

 

Aussicht beim Aufstieg zur Predigtstuhlbahn
Aussicht beim Aufstieg zur Predigtstuhlbahn

In den Jahren davor schneite es immer, wir waren dick eingepackt und starrten nur auf die Spur oder den Vordermann. Das macht natürlich weniger Spaß, hat aber was von einer spannenden Expedition.

Oben am Predigstuhlhotel angekommen glotzen erst mal die Spaziergänger und Rentner, weil man verschwitzt, schwer bepackt und ein wenig verwegen direkt aus dem Wald auftaucht. Dann hofft man erstmal, dass die Bergbahn auch fährt. Vorletztes Jahr tat sie es wegen des Wetters erst mal nicht. Nach ein paar Telefonaten hat man uns dann aber doch abgeholt. Dieses Mal klappte es problemlos.

Auf der Abfahrt fährt man innerhalb von 8 Minuten aus der Wildnis in die Zivilisation. Wenn man Glück hat, fährt der alte Maschinist mit. Er spielt unterwegs auf seiner Mundharmonika ein paar lustige Liedchen und ehe man sich versieht, ist man auch schon wieder am Parkplatz. Leider. Und man hofft, dass es im nächsten Winter wieder für ein paar Tage auf der Hütte reicht.

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