400 km Strand…

…lägen östlich von Riyadh, sagt man (westliche wären es mehr als 1000 km) Das kann ich jetzt bestätigen, denn am Dienstag sind wir wieder nach Riyadh gefahren. Und die ganze Fahrt geht es einfach immer durch die Wüste. Eigentlich wollten wir schon am Sonntag fahren, aber da herrschte ein Sandsturm und Mr. A. meinte „We don’t take risk!“.

Sandsturm
Sandsturm von meinem Balkon aus gesehen

Also hat er mich am Dienstagmorgen um 6 Uhr am Hotel abgeholt. Kaum hatten wir die Stadt verlassen, bin ich auch schon eingenickt. Guter Anfang einer Geschichte, oder?

Das Problem ist einfach, dass es in der Wüste auf Dauer weniger zu sehen gibt. Und die ersten 50-100 km ist man immer noch in der Nähe der Stadt.

Straße nach Riyadh früh am Morgen
Straße nach Riyadh früh am Morgen

Das heißt, man sieht noch Industrieanlagen, Schutthalden oder Rohrlager in der Größe mehrerer Fußballplätze. Die Pipelines werden zum einen natürlich für den Transport von Öl gebraucht, zum anderen aber auch um Wasser von der Küste nach Riyadh zu pumpen. Ein Teil des Trinkwassers wird aus riesigen Meeresentsalzungsanlangen gewonnen. Die große Menge an Energie bekommt man durch Erdölkraftwerke. Öl ist ja schließlich billig hier. Wächst ja quasi fast an den Bäumen.

Nach rund 100 km haben wir dann getankt und wollten schnell einen Kaffee trinken. Da Mr. A. aber meinte, er wäre jetzt auch müde, haben wir kurzerhand die Vordersitze ganz nach hinten geklappt und eine Runde an der Tankstelle gepennt. Tankstellen in Saudi sind nicht ganz so proper wie wir es von unseren Tankstellen gewohnt sind.

Tankstelle
Tankstelle

Meist ist es schlicht ein Trägergestell mit Wellblech drüber. Bezahlt wird direkt an den Tankwart. Das sind meist Pakistaner, wie mir scheint. Die nehmen die ungeheuren Reichtümer für einmal volltanken in Besitz und schreiben wenn nötig eine Rechnung. Damit ihr einen Eindruck habt, was man einem Tankwart so in die Hand drückt, habe kurz ausgerechnet, wie viel wir für die rund 950 km (nach Riyadh, in der Stadt rum und zurück nach Dammam) an dem Tag gezahlt haben: Knapp 40 Rial. Das sind umgerechnet circa 8€! Das ist billiger als Moya (arab. für Wasser). Da kosten der Liter 1 Rial.

Kurz vor der Abfahrt, ich hatte mir grade eine überaus leckeren Instantkaffee gegönnt (in Zukunft trinke ich wieder Tee), hat dann dieser Pick-Up mit dem freundlichen Ziegenbock neben uns gehalten.

Ziegenbock auf Pick-Up
Ziegenbock auf Pick-Up

Hat mich ziemlich an die Hunde und Schafe erinnert, die man in Neuseeland auch immer auf dem Pick-Up transportiert hat. Aber der lustige Ziegenbock war erst der Anfang. Kurz nach der Tankstelle machte mich Mr. A. auf die Ziegen- und Schafherden neben dem Highway aufmerksam. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was die dort was zu fressen finden. Aber da man immer mal Transporter mir Ballen von Grünzeug passieren sieht, nehme ich an, dass die Tiere zusätzlich gefüttert werden. Warum sie dann in der Wüste sind, weiß ich auch nicht. Brauchen vielleicht Auslauf oder lieben das Bad in der Sonne?

Die Straße zieht sich dann träge, aber meist sehr geradlinig durch den Sand. Auf der rechten Spur brüllen die alten LKWs dahin, oftmals in langen Schlangen, und überholen sich von Zeit zu Zeit gegenseitig. Das erwartet dann natürlich niemand und jeder muss panisch und unkontrolliert ausweichen. Deshalb trifft man Vorsichtsmaßnahmen und fährt besser nicht direkt auf der Spur neben ihnen, sondern nimmt einfach die Hälfte der linken Spur auch noch dazu. Wer dann ganz links schnell vorbei muss/will, scheucht einen entweder mit Lichthupe und normaler Hupe auf die mittlere Spur zurück oder weicht selbst auf das sandige Seitenbett aus. Da gewöhnt man sich lustigerweise schnell dran. Ein wenig wie in damals in Polen und im Baltikum. Da ist man auch immer bei Gegenverkehr auf den Seitenstreifen ausgewichen. Muss man nur wissen. Sonst erschrickt man ziemlich.

Die Wüste verändert sich dann doch immer. Mal ist sie total sandig mit großen Sanddünen, mal ist sind es Felsabbrüche wie auf dem Bild hier. Von Zeit zu Zeit hat man sogar solche Felsformationen wie in den USA. Glaube Monument Valley heißt die Gegend. Nur sind die Felsformationen hier kleiner und nicht rot (und insgesamt nicht so imposant) Und von Zeit zu Zeit gibt es Dornenbüsche. Sogar einen Baum habe ich gesehen. Mr. A. meint, der Baum stünde da schon seit 25 Jahren so und sei auch kaum gewachsen. Das sähe man an der Stromleitung, die direkt über den Baum führt. Der Abstand zwischen Baum und Stromleitung sei immer derselbe gewesen.

Zwischen Dammam und Riyadh gibt es 3 Checkpoints. Deshalb muss ich immer den Pass mit dem Visum dabei haben. Aber bisher wurden wir nicht angehalten. Außerdem stehen ab und an Blitzer am Straßenrand. Gerast wie bekloppt wird trotzdem. Während man sich auf deutschen Straßen auf schnelles, aber kontrolliertes Fahren verlassen kann, wird hier einfach mal nur schnell und unvorhersehbar gefahren. Aber man sollte schon aufpassen. Zu schnell fahren kostet 300 Rial. Wenn man die nicht bezahlt, wir verdoppelt sich die Strafe jeden Monat. Das wird auch bei Ein- und Ausreise kontrolliert…kann also ziemlich teuer werden.

Unterwegs sieht man immer die treuen Kamele. Farblich gibt es sie in weiß, ocker bis braun und schwarz. Besonders die weißen und schwarzen Kamele fallen gut auf, während man die braunen machmal schwer sieht. Sie laufen relativ wild durch die Gegend. Manchmal gibt es einen Hirten dazu. Damit sie nicht auf die Straße laufen, ist entlang der gesamten Strecke ein Zaun gebaut. Mein Onkel meinte, dass es den vor 30 Jahren noch nicht gab. Dafür Unmengen an Unfällen mit Kamelen. Insbesondere nachts.

Mittlerweile müssen Kamele aber nicht mehr einfach so durch die Wüste stapfen. Vielmehr kommen auch sie in den Genuss der modernen Zeit. Sie werden kurzerhand auf Fahrzeuge verladen. Dazu müssen sie in die Knie gehen und man bindet einfach die Füße zusammen. Dann können sie nicht aufstehen und auch nicht vom Trailer springen. Die auf dem Foto sahen auch nicht besonders unerfahren im Autofahren aus. Waren ganz ruhig und schauten in der Gegen rum. Weiße Kamele werden übrigens als schöner angesehen als braune. Schwarze sind offenbar auch schön anzuschauen. Manchmal sieht man auch junge Kamele hinter ihren Müttern her traben.

In Riyadh sind wir dann an dem großen Parkplatz vorbei gekommen, wo man sich ganze Lastwägen inklusive der Besatzung mieten kann. Aber das ist immer etwas riskant, weil man nie so genau weiß, ob die geladene Ware auch wirklich dort ankommt, wo sie hin soll…Die Fahrer warten jedenfalls tagelang neben ihren LKWs und warten auf Aufträge. Leider habe ich noch keine Gelegenheit gehabt auszusteigen und ein paar ordentliche Fotos zu machen. Beim Vorbeifahren ist das immer ein wenig schwierig. Wahrscheinlich würden auch alle auf mich losrennen und mich um irgendwas bitten. Fraglich, ob ich dann noch zum fotografieren komme. Muss ich mal ausprobieren, wenn ich ein wenig Zeit finde. Aber man bekommt auch so einen Eindruck, was hier los ist und wie manche Leute leben müssen. Da wird Tee gekocht, nebenbei der LKW repariert und ein Auto ausgeschlachtet, das vorher einen schweren Verkehrsunfall hatte. Die LKWs sind übrigens oft ausgemusterte Transporter von deutschen Speditionen. Dann sieht man auf den Planen und Lackierungen deutsche Firmen und Ortsnamen. Manche LKWs werden auch mit allerlei Zeug verschönert. Besonders nachts sieht man sie sehr gut, weil sie Neonröhren und LEDs an die Karosserie bauen.

Nachdem wir einige unserer Kunden besucht hatten, mit ihnen ausgiebig Tee und Wasser getrunken hatten, sind wir dann noch zum ChinaMart gefahren. Anfangs wusste ich nicht so genau, was wir da wollen. Mr. A. war nicht ganz verständlich mit seiner Aussage: „We meet someone I know.“ Bei solche Sätzen warte ich mittlerweile einfach ab und frage nicht weiter nach. Wir haben dann in einem chinesischen Möbelhaus eine ganze Weile gewartet und Sofas ausprobiert. Irgendwann wurde der chinesische Verkäufer von einigen Indern abgelöst und es stellt sich raus, dass das alles Onkels und Neffen von Mr. A. sind. Um Sofas ging es dann nicht mehr, sondern um Schreibtische und Stühle für das neue Büro. Nach 2 Stunden hatten wir uns dann entschieden und einen speziellen Preis ausgehandelt. Damit sollten die Möbel für das Büro wohl gekauft sein. Im Auto haben wir dann noch gleich den Transport von Riyadh nach Dammam geklärt. Ein indischen Transportunternehmen wird sie die Tage für uns abholen und ins Büro liefern. Dort baue ich sie dann zusammen. Bin mal gespannt, ob die Anleitung so leicht wie die von Ikea sein wird.

Mittlerweile war es dunkel und wir haben die 400 km nach Dammam in 3,5 Stunden geschafft. In der Zeit habe ich mein Grundwissen über den Islam vertieft und ein Lektionen in den Grundregeln von Cricket erhalten. Wieder was gelernt! Um 10:30 Uhr abends war ich dann wieder im Hotel und auch geschafft. Knappe 1000 km am Tag sind auch als Beifahrer anstrengend.

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